Kostenloser ÖPNV: Kostenlose Busse scheitern am Geld

Kostenloser ÖPNV : Kostenlose Busse scheitern am Geld

Seit 1. August nutzen Luxemburger Schüler und Studenten den ÖPNV kostenlos. Wäre ein solches Modell auch in unserer Region denkbar?

Ohne Fahrschein einfach den nächsten Bus nehmen oder in die Bahn einsteigen – in Luxemburg ist das seit dem 1. August für Schüler und Studenten bis zum Höchstalter von 30 Jahren möglich. Einem Bericht der Tageszeitung „L’essentiel“ zufolge ist die Regierung des wohlhabenden Großherzogtums auf Forderungen mehrerer Studentenvereinigungen eingegangen. Profitieren werden davon rund 25 000 junge Luxemburger und Grenzgänger. Für Studierende aus dem Ausland gilt das Angebot nur dann, wenn diese ein Anrecht auf Studienhilfe in Luxemburg haben. Nach Angaben von Infrastruktur-Minister François Bausch soll die Investition bis Ende dieses Jahres rund 160 000 Euro kosten, in den Jahren darauf jeweils 500 000 Euro.

Wäre ein solches Projekt auch im Saarland realisierbar? Im Hinblick auf die Finanzierung sieht Elke Schmidt, Geschäftsführerin der Saarländischen Nahverkehrs-Service GmbH, dies eher kritisch. „Grundsätzlich wäre es natürlich eine gute Sache, wenn Schüler und Studenten den ÖPNV kostenlos nutzen könnten, wobei sich da natürlich gleich die Frage stellt, wie der finanzielle Ausgleich für die Verkehrsunternehmen gesichert wird“, sagt Schmidt. Zuständig hierfür seien die entsprechenden Aufgabenträger wie die Landkreise oder die Stadt.

Ulrike Reimann, Pressesprecherin der Stadtwerke Saarbrücken, sieht neben der Finanzierung der Tickets weitere Kosten, die gedeckt werden müssten. Bei Kostenfreiheit rechne sie mit enormen Fahrgaststeigerungen. „Abgesehen von den fehlenden Fahrgeldeinnahmen müssen dann auch die notwendigen Mehrleistungen, beispielsweise mehr Busse, finanziert werden“, meint Reimann. Außerdem seien weitere flankierende Maßnahmen wie zum Beispiel der Ausbau des Park&Ride-Angebots nötig. Eine kostenfreie Nutzung müsse im gesamten Kontext gesehen werden.

Auch Alexander Brehm, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, verbindet ein solches Projekt mit sehr hohen Kosten. „Eine kostenlose Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs muss immer vom jeweiligen Aufgabenträger finanziert werden. Da sprechen wir ganz schnell von Millionenbeträgen“, so Brehm.

Grundsätzlich begrüßt die Saarbahn GmbH, die für den Betrieb der Stadtbahn- und der Buslinien in Saarbrücken zuständig ist, allerdings die Weiterentwicklung des Öffentlichen Personennahverkehrs. „Solche Maßnahmen wie in Luxemburg bedeuten weniger Individualverkehr, mehr ÖPNV-Nutzer und finanzielle Entlastung von Familien“, meint Reimann. Generell komme man Schülern und Studenten, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, allerdings schon entgegen. „Bereits ab 36 Euro im Monat können Schüler im Gebiet des Saar-VV zur Schule und Ausbildungsstelle fahren. Mit dem Semesterticket, das mit dem Semesterbeitrag solidarisch erhoben wird, fahren Studenten mit allen Bussen und Nahverkehrszügen im Saarland kostenfrei“, so Reimann.

Phillip Kosok, Referent für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Deutschland, sieht eine Finanzierung der öffentlichen Verkehrsmittel durch Fahrgäste als unerlässlich. „Ein gutes ÖPNV-Angebot ist nur mit einer ordentlichen und dauerhaften Finanzierung zu machen. Fahrgäste sollten grundsätzlich ihr Ticket selber zahlen“, meint Kosok. Bei einzelnen Gruppen wie Schülern oder Studenten könne es aber sinnvoll sein, wenn der Staat vollständig einspringt. Aufgrund der damit ansteigenden Nachfrage sei es entscheidend, dass die Regierung dafür Sorge trage, das Bus- und Bahnangebot nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter auszubauen.

Eine weitreichende Reform des ÖPNV hatte bereits 2016 die Piratenpartei im Saarland vorgeschlagen. Für die fahrscheinlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel sollten nach ihrer Idee alle Bürger ab dem 18. Lebensjahr jeweils rund 20 Euro monatlich zahlen. Betroffen wären dann auch diejenigen, die überhaupt nicht mit Bus oder Bahn fahren. „So werden nebenbei auch noch Familien finanziell entlastet, die zur Zeit teure Tickets für ihre schulpflichtigen Kinder kaufen müssen“, sagte der damalige Landesvorsitzende der Piratenpartei Gerd Rainer Weber, der inzwischen SPD-Mitglied ist. Umgesetzt wurden diese Pläne jedoch nicht.

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