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Der Weg zurück ins normale Leben

Saarpfalz-Kreis. In unserer Serie über das Jugendamt geht es diesmal um Hilfe für Teenager, die in der Pubertät zu scheitern drohen, mit entsprechender Hilfe aber wieder auf die Beine kommen. Das Soziale Netzwerk fängt sie auf. Von SZ-RedakteurinChristine Maack

Foto: Steigner/SPK

. Es gibt Eltern, die können ein Lied davon singen, wenn ihre Kinder in die Pubertät kommen. Konflikte, oft sogar mit Tränen, Trotzreaktionen oder das übliche Türenknallen, begleitet von dem Satz "Lasst mich in Ruhe!" sind die typischen Situationen. So nervig es sein mag, irgendwann geht auch diese Phase vorüber, und aus den ehemaligen Kindern sind junge Erwachsene geworden, die aus dieser Erfahrung meist gestärkt hervorgehen und plötzlich fähig sind, Einsicht zu üben oder Verantwortung zu übernehmen. Das ist allerdings der Idealfall.

Es kann aber auch vorkommen, dass Jugendliche ausgerechnet in dieser, auch für ihre spätere Berufsauswahl so wichtigen Zeit, aus der Bahn geraten und den Weg nicht mehr ohne Hilfe ins normale Leben zurückfinden.

Dafür bietet das Jugendamt zusammen mit der Awo innerhalb des Sozialpädagogischen Netzwerks Hilfe an. Je nach Bedarf können familienunterstützende, familienergänzende oder familienersetzende Hilfeleistungen gewährt werden.

Die ambulanten Hilfen zur Erziehung beziehen in der Regel die gesamte Familie mit ein. Im Bereich der teilstationären Hilfen sind Tagesgruppen, Schülerhilfen und eine Erziehungshilfe angesiedelt, die eine Nachmittagsbetreuung anbieten. Eine Vielzahl verschiedener Angebote ist schließlich im stationären Bereich zu finden, der Wohngruppen für unterschiedliche Adressaten, Pflegestellen und diverse Betreuungsangebote umfasst.

Andrea Klein (31) aus Homburg verdankt der Jugendhilfe des Saarpfalz-Kreises, dass sie heute ihren Wunschberuf ausübt, obwohl sie mit 15 fast an ihrem Leben gescheitert wäre. Im Teenager-Alter stand sie ohne Schulabschluss da, hatte kaum eine Perspektive und wusste nicht, was aus ihr werden sollte: "Ich war als Jugendliche auf einem falschen Weg und bekam von der Jugendhilfe des Saarpfalz-Kreises im richtigen Moment die richtigen Signale und Hilfestellungen, um mich wieder zu fangen."

Die Jugendhilfe des Saarpfalz-Kreises gab ihr die Chance, bei der Arbeiterwohlfahrt den Hauptschulabschluss nachzumachen. Dort gewann Andrea ihr Selbstwertgefühl, zurück, ihre Neugier am Lernen wurde geweckt. Einer der Erzieher der Awo wurde für Andrea zum vertrauten Ansprechpartner und auch zum Vorbild.

Nach dem erfolgreichen Schulabschluss machte Andrea Klein eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau: "Jetzt hatte ich einen Beruf und einen Job, aber es war keine Erfüllung für mich." Und so fasste Andrea Klein nach sechs Jahren den Entschluss, Erzieherin zu werden. Keine leichte Aufgabe, denn sie musste diese Ausbildung selbst bezahlen. So hatte sie über mehrere Jahre bis zu drei Nebenjobs, um ihre Ausbildung zu finanzieren.

Aber am Ende hatte sie es geschafft. "Ich habe mich durchgebissen, weil ich bei der Jugendhilfe und bei der Awo gelernt hatte, dass man seine Zukunft selbst in die Hand nehmen muss. Und dass man dort verlässliche Ansprechpartner findet, die auch ein offenes Ohr haben, wenn es einmal nicht so gut läuft."

Heute ist sie glücklich, dass sie bei der Arbeiterwohlfahrt als Erzieherin arbeiten kann, es ist ihr Traumberuf. Gleichzeitig möchte Andrea Klein etwas zurückgeben: "Was mir als junger Mensch an gleicher Stelle zuteil wurde, möchte ich weitervermitteln. Und ich hoffe, dass ich durch meine persönlichen Erfahrungen so authentisch 'rüberkomme, dass mir heutige Jugendliche glauben, wenn ich ihnen Tipps gebe, wie sie ihr Leben besser in den Griff bekommen können."

Arbeiterwohlfahrt, Sozialpädagogisches Netzwerk, Moselstraße 8, 66424 Homburg. Telefon: (0 68 41) 9 60 30.