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Briefe zum Vorstandsstreit ziehen Kreise

Rudolf Hellwig, Rechtsanwalt Andreas Abel, der Vereinsvorsitzende Michael Jung, Norbert Jung und Hans-Peter Becker (von links) schilderten in unserer Redaktion ihre Sicht auf die Situation bei der DJK St. Ingbert. Foto: Manfred Schetting
Rudolf Hellwig, Rechtsanwalt Andreas Abel, der Vereinsvorsitzende Michael Jung, Norbert Jung und Hans-Peter Becker (von links) schilderten in unserer Redaktion ihre Sicht auf die Situation bei der DJK St. Ingbert. Foto: Manfred Schetting FOTO: Manfred Schetting
St Ingbert. Ein Brief hat jetzt anhaltende Differenzen im Vorstand der DJK St. Ingbert öffentlich gemacht. Darin hält Geschäftsführer Stefan Zentz dem Vorsitzenden Michael Jung vor, 73 000 Euro aus den Clubheim-Einnahmen veruntreut zu haben. Der DJK-Chef weist den Vorwurf als vorsätzlich herbeigerechnet zurück. Manfred Schetting

. Heftige Vorwürfe richten sich derzeit gegen Michael Jung, seit 20 Jahren Vorsitzender der DJK St. Ingbert . Es gebe Unstimmigkeiten bei den Gastronomie-Einnahmen im vereinseigenen Clubheim, schreibt Stefan Zentz als Mitglied und Geschäftsführer der DJK St. Ingbert in einem offenen Brief, der um Unterstützung für die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wirbt. Fehlbeträge hätte ein Prüfbericht der beiden Kassierer ergeben. Er basiere auf durch Rechnungen belegte Wareneingänge der DJK seit Eröffnung des Clubheims 2011 bis Ende 2015. Dann heißt es wörtlich: "Dabei stellte sich heraus, dass anhand der gebuchten Wareneingänge weitere Erlöse von über 73 000 Euro vorhanden sein müssten. Eine solche Differenz ist weder durch Schankverluste, noch die Vergabe von Freigetränken erklärbar."


Anzeige erstattet

Eine Konsequenz: Inzwischen hat Stefan Zentz aufgrund eines Beschlusses des geschäftsführenden Vorstandes der DJK gegen Michael Jung "Anzeige wegen des Verdachtes der Untreue (Unterschlagung, Steuerhinterziehung, Sozialversicherungsbetrug)" erstattet. "Die Strafverfolgungsbehörden haben Ermittlungen aufgenommen", betont der DJK-Geschäftsführer, dessen Brief diese Woche weite Kreise gezogen hat. Das vierseitige Schreiben ging an alle rund 540 Mitglieder des Fußballvereins, aber auch an den St. Ingberter Oberbürgermeister, die Stadtverwaltung, den Vorstand des Saarländischen Fußballverbandes und den DJK-Diözesanverband.



Den öffentlichen Vorwurf, er habe bis heute keine Erklärung geliefert, wie sich der Fehlbetrag von über 73 000 Euro beim Clubheim an der Oberen Rischbach, von Vereinsmitgliedern betrieben und vom Vorsitzenden verantwortet, ergeben konnte, will Michael Jung aber nicht auf sich sitzen lassen. "Meine Familie und ich haben sich nicht persönlich durch Vereinsvermögen bereichert", sagte Jung unmittelbar nach Bekanntwerden des offenen Briefes bei einem Redaktionsbesuch zusammen mit Rechtsanwalt Andreas Abel. Und seine Einschätzung, der Vorwurf der Vereinsschädigung sei im Kampf um die Macht im Vorstand der DJK nur vorgeschoben, teilten bei dieser Gelegenheit auch drei Mitstreiter aus Reihen der DJK 1923 e.V.: Ehrenmitglied Hans-Peter Becker, Norbert Jung, der Abteilungsleiter der AH, und Rudolf Hellwig, Vorsitzender des DJK-Jugend-Fördervereins.

Michael Jung betonte auch, es habe in dem Verein immer eine ordnungsgemäße Buchführung gegeben, seit Jahren arbeitete die DJK St. Ingbert mit einem verlässlichen Steuerbüro zusammen. Und der konkrete Vorwurf der Untreue entbehre jeder Grundlage. "Die dargestellten Schätzungen basieren auf einer Hochrechnung nach dem Niveau gastronomischer Betriebe." Bei einem Clubheim in Vereinshand sei dies unrealistisch. "Es gibt daher kein tatsächliches, sondern ein angenommenes Defizit, das auf zu hohen Schätzungen des Rohgewinns basiert."

Weiter handlungsfähig

Außerdem unterstrich der Vereinschef, die DJK sei aus seiner Sicht unverändert ein gut geführter Club, der nach wie vor handlungsfähig sei. Vorwerfen müsse er sich aber, zu lange stillgehalten und auf eine normale Zusammenarbeit mit allen Vorstandsmitgliedern gehofft zu haben.

Wann und ob der momentan so unterschiedliche Blick auf die DJK St. Ingbert vor den Mitgliedern diskutiert wird, ist offen. Alle Versuche, vereinsinterne Lösungen zu suchen, seien in den vergangenen Monaten gescheitert, sagte Andreas Abel. Und der Anwalt, der die DJK vereinsrechtlich vertritt, verwies auch auf eine Tücke in deren Satzung. Danach ist jedes Mitglied im geschäftsführenden Vorstand einzeln für den Verein vertretungsberechtigt. Das verschärfe den aktuellen Streit im Führungsgremium. Für eine außerordentliche Mitgliederversammlung sieht Abel keine Eilbedürftigkeit, zumal im Herbst ohnehin eine Jahreshauptversammlung anstehe.

In einer Pressemitteilung hat die Anwaltskanzlei Abel und Kollegen am Freitag angekündigt, "der Verein und sein 1. Vorsitzender Michael Jung werden sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen die unwahren Behauptungen und das vereinsschädigende Verhalten des Geschäftsführers Stefan Zentz zur Wehr setzen".