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Radelkollektiv
Mitstreiter für die Radeldemo gesucht

Ende Januar war das Radelkollektiv unterwegs zur „Befahrung“ in Homburg . . .
Ende Januar war das Radelkollektiv unterwegs zur „Befahrung“ in Homburg . . . FOTO: Tanja Ridzewski
Homburg/Bexbach. Zu Gast in der Redaktion: Bürger aus Homburg und Bexbach setzen sich für bessere Radwege  ein. Aktionstag am 12. Mai geplant. Von Jennifer Klein

Es geht natürlich auch auf die harte Tour: so wie  in Wien, wo der Verkehrsplaner Herrmann Knoflacher in einem ziemlich spektakulären (und viel gescholtenen) Konzept die Autos aus der Innenstadt verbannt hat. Die Strategie: Straßen verengen, bewusst Staus erzeugen, Parkplätze verteuern, Parkraum anders organisieren.  Das Ergebnis: autofreie Bereiche mit hoher Lebensqualität und jede Menge Ärger mit der autofahrenden Bevölkerung ob dieser Schikanen. Soweit zu Wien.


Wie schwierig es ist, Verkehrsteilnehmer aller Couleur, Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer  unter einen Hut zu bringen, wissen nicht nur Verkehrsplaner in Großstädten. Auch in Homburg und Bexbach  kann man davon ein Lied singen. Ganz konkrete Punkte, wo es in den beiden Städten hakt in Sachen Radlerfreundlichkeit, haben nun einige engagierte Bürger benannt: Thomas Krenz und Hans Seel vom Bexbacher Radelkollektiv und Tanja Ridzewski vom Homburger Radelkollektiv, das Teil des Aktionsbündnisses Pro Fahrrad (Radelkollektiv, Radlerfreunde und die in Gründung befindliche Ortsgruppe des ADFC) ist. Beim Besuch in der SZ-Redaktion stellten sie ihre Vorschläge und die geplante Radeldemo vor.

Die Motivation, sich in Sachen Radwege und Co. zu engagieren, ergebe sich schlicht aus der Summe dessen, was man im Alltag so erlebe, wenn man als Radfahrer unterwegs sei, erklären alle drei übereinstimmend: mit dem Rad zum Einkaufen in die Stadt, unterwegs zur Arbeit oder zum Bahnhof, die Kinder fahren mit dem Fahrrad zur Schule, die Ausflugstour in die Umgebung am Wochenende, die Nase voll von Parkplatzsuche in der Stadt.



. . . und ebenso in Bexbach.
. . . und ebenso in Bexbach. FOTO: Thomas Krenz

Was ihnen dabei aufgefallen ist, haben sie in einem Katalog aufgelistet. Das reicht von recht einfach umsetzbaren Maßnahmen – „zum Beispiel Fahrradständer am historischen Marktplatz“ , regt Tanja Ridzewski an, über Sanierungsarbeiten von aufgerissenen Wegen bis zum Blick aufs große Ganze: „Das Radwegenetz gleicht einem Flickenteppich“, erklärt Thomas Krenz.

Durch eine Verbesserung in diesem Bereich könne man nicht nur die Attraktivität der Städte im Hinblick auf Tourismus (Stichwort: Biosphärenregion) stärken, sondern ganz konkret auch ein Stück mehr Lebensqualität für die Bürger schaffen. Schließlich sei die Gruppe der Radnutzer groß, geben Krenz und Seel zu bedenken: Der schlechte Zustand beziehungsweise das Nicht-Vorhandensein von Radwegen betreffe ja nicht nur Freizeit- und Sportradler, sondern auch alle, die das Rad einfach im Alltag als Fortbewegungsmittel nutzen, um von A nach B zu kommen.  Und in Zeiten von Pedelec und E-Bike sei es auch kein Problem mehr, Steigungen zu bewältigen, fügt Krenz an – was für viele den Umstieg aufs Rad attraktiver mache.

Sie haben sich in den Städten umgesehen, verschiedene Strecken abgefahren und das Vorgefundene sorgfältig dokumentiert – in Wort und Bild, von fehlenden Hinweisschildern und Markierungen bis zu Löchern im Asphalt, die echte Stolperfallen für Radfahrer sind.

Einen umfangreichen Forderungskatalog haben beide Aktionsgruppen zusammengestellt, nun gelte es, das Ganze auf eine breitere Basis zu stellen. Die Auflistung geht an die jeweiligen Stadtverwaltungen, und Gremien wie die Ortsräte, zudem wolle man weitere Mitstreiter suchen, indem zum Beispiel an Schulen Flyer verteilt werden sollen, ebenso in den Geschäften vor Ort; in den Kirchengemeinden und bei den Kommunalpolitikern und –gremien will man für die Aktion werben. So hat sich Thomas Krenz zum Beispiel auch an den Bundestagsabgeordneten Markus Uhl gewendet, wie er erklärt.

Ein Zeichen in der Öffentlichkeit setzen will man mit einer „Radeldemo“, die  am 12. Mai gleichzeitig in drei Städten - Homburg, Bexbach, Saarbrücken - läuft. Start ist jeweils um 12 Uhr, in Homburg am Christian-Weber-Platz, in Bexbach am Bahnhof. Auch hier sind alle, die gerne mitfahren wollen oder sich für die Sache engagieren wollen, willkommen, wie die Organisatoren betonen.

Infos und Kontakt: für Bexbach: Thomas Krenz, E-Mail thomaskrenz05@
online.de, für Homburg Tanja Ridzewski, E-Mail tanja@radelkollektiv.de

Stellten bei ihrem Besuch in der Redaktion das Radelkollektiv vor: Thomas Krenz, Tanja Ridzewski, Hans Seel (von links).
Stellten bei ihrem Besuch in der Redaktion das Radelkollektiv vor: Thomas Krenz, Tanja Ridzewski, Hans Seel (von links). FOTO: Jennifer Klein