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Kreis und Stadt setzen auf die Kirche

Thomas Holtmann ist neuer Homburger Dekan. Foto: Wolf
Thomas Holtmann ist neuer Homburger Dekan. Foto: Wolf FOTO: Wolf
Homburg. Der neue Dekan des Kirchenbezirks Homburg, Thomas Holtmann, darf sich des Rückhalts durch die Stadt und des Saarpfalz-Kreises sicher sein. Dies wurde beim Empfang im Siebenpfeifferhaus deutlich. Jürgen Neumann

"Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Thomas Holtmann als neuen Dekan des Kirchenbezirks Homburg und ich wünsche Ihnen, dass Sie immer die Menschen an Ihrer Seite haben, die sie brauchen." Was Oberkirchenrat Michael Gärtner aus Speyer beim Einführungsgottesdienst des neuen Homburger Dekans am Sonntag in der Stadtkirche (wir berichteten) sagte, setzte sich beim Empfang im Siebenpfeifferhaus nahtlos fort. Bereits im Gottesdienst, der musikalisch von der Kantorei und dem Posaunenchor umrahmt wurde, hatten die Pfarrerinnen Petra Scheidhauer und Doris Agne als Assistentinnen der offiziellen Dekans-Verleihung Thomas Holtmann "viel Zuversicht, gute Zusammenarbeit und Gottes Segen" gewünscht. Agne hob dies beim Empfang nochmals hervor: "Zusammenarbeit und Zusammenhalt stärkt unsere Kirche." Den ökumenischen Gedanken hob der katholische Theologe Markus Hary hervor. Die "bisherige gute Zusammenarbeit" hob auch Ute Fischer vom Presbyterium der Kirchengemeinde Schwarzenbach hervor. In dieser Gemeinde war Holtmann bisher tätig. Der Saarbrücker Theologie-Professor Paul Weber hob die wissenschaftliche Arbeit von Holtmann an der Saar-Uni hervor.

"Eine Dekanwahl ist ein historisches Ereignis, das so nicht alle Tage vorkommt", so Homburgs Bürgermeister Klaus Roth. Für die Kreis- und Universitätsstadt seien Kirchen- und Stadtgeschichte schon immer eng verbunden gewesen. Diese Verbundenheit werde auch künftig so bleiben. In einer sehr launigen Rede in Mundart sagte der designierte Landrat Theophil Gallo : "Jetzt hannse ess angefang, nun misse Sie ess a weitermache". Er kenne Holtmann bereits als "Netzwerker" aus der Zusammenarbeit im Protestantischen Netzwerk des Kirchenbezirks Zweibrücken. Gallo: "Wir sind beide Netzwerker." Auf politischer Ebene gäbe es etwa bei den Finanzen oder beim Denkmalschutz viele Gemeinsamkeiten. Der Kreis stehe an der Seite des neuen Dekans. Er wünschte ihm ein "Glück auf" für die Zukunft.

Unter den Gästen waren auch der Zweibrücker Dekan Peter Butz, der Saarbrücker Superintendent Christian Weyer, der Beauftragte der pfälzischen und rheinischen Kirchen bei der Landesregierung, Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, und die Leiterin der Evangelischen Akademie im Saarland, Johanna Wittmann.


Meinung:

Ein Mann der Zukunft

Von SZ-RedakteurJürgen Neumann

Mit Thomas Holtmann als Dekan im Kirchenbezirk Homburg steht in den kommenden zehn Jahren ein Mann an der Spitze, der für die Zukunft der Kirche steht. Auf ihn warten heftige Stürme, die auf die Kirche zukommen. Kein Wunder: Die evangelische Kirche befindet sich - wie auch die katholische Kirche - in einer Zeit der sozialen und ökonomischen Umbrüche. Sinkende Mitgliederzahlen und weniger Kirchensteuern sind unübersehbare Alarmzeichen dieser ungünstigen Entwicklung. Abbau von Stellen, Umstrukturierung von Gemeinden und anderer kirchlicher Dienste und Verkauf von Immobilien sind ihre Begleiter. Diese Veränderungen vollziehen sich nicht schmerzlos und sorgen auch für viel Verdruss. Wenn christliches Leben und Handeln nur noch durch die Ökonomie-Brille betrachtet wird, ist das Aus der verwalteten Amtskirchen absehbar. Bei allen notwendigen Maßnahmen dürfen die Verantwortlichen nicht vergessen, dass Kirche mehr ist als nur der Tanz ums Goldene Kalb der Moneten. Der promovierte Theologe, der als ruhiger, scharfsinniger Denker gilt, weiß um diese Probleme. Erste Lösungsansätze hat er bereits im vergangenen Herbst bei seiner Wahl angedeutet: Jugendliche wieder für Kirche gewinnen und enge Zusammenarbeit, vor allem im Bereich Bildung, mit dem Kirchenkreis Zweibrücken. Holtmann ist sich sicher, wenn Kirche eine Zukunft haben soll, dann muss sie mehr als nur ein Werk aus Zahlen sein. Sie muss Seelsorger sein, sie muss sich öffentlich bei gesellschaftlichen Problemen klar positionieren und sie muss Botschafter des Glauben sein. Nur dann ist Kirche zukunftsorientiert, transparent, bunt und fröhlich.