1. Saarland

500 Jahre Reformation: Ein Fest zu Ehren Martin Luthers

500 Jahre Reformation : Ein Fest zu Ehren Martin Luthers

Auch das katholischste aller Bundesländer feiert den Reformationstag – mit Gottesdiensten, Kabarett und mehr.

Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg nagelte, veränderte das die Welt. 500 Jahre später wird das gefeiert – auch im Saarland. Zahlreiche Veranstaltungen haben die Evangelischen Kirchen für den 30. und 31. Oktober geplant, es soll der Höhepunkt des Jubiläumsjahres werden.

Den Auftakt macht am Montag, 30. Oktober, um 17 Uhr ein Festgottesdienst in der Saarbrücker Ludwigskirche, der im SR-Fernsehen übertragen wird. Proppenvoll wird die Kirche sein, davon sind die Veranstalter überzeugt. Wer keinen der 780 Plätze ergattert, kann den Gottesdienst und den anschließenden Festakt per Live-Übertragung in einem Zelt hinter der Kirche verfolgen. Die Predigt wird der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, halten, als Redner des Festaktes sind Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und der Trierer Bischof Stephan Ackermann angekündigt – zwei Katholiken also. Doch das ist ganz im Sinne des Superintendenten des Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer: „Es soll kein Jubelfest der Evangelischen Kirche werden, sondern eine ökumenische und gesellschaftliche Feier.“

Am Dienstag, 31. Oktober, finden in vielen evangelischen Gemeinden im Saarland Festgottesdienste statt, bevor am Abend die landesweite „Nacht der Reformation“ anbricht. Dafür hat sich jede der 53 beteiligten Kirchengemeinden etwas Besonderes überlegt. So ziehen zum Beispiel in Homburg die Konfirmanden mit einem Luther-Umzug durch die Stadt (18.15 Uhr), in der Völklinger Versöhnungskirche wirft der Kabarettist Detlev Schönauer einen humorvollen Blick auf die Erneuerung der Kirche (19 Uhr) und in der St. Ingberter Christuskirche befassen sich Experten bei einer Podiumsdiskussion mit der Frage „Reformation ja – aber wie?“ (18 Uhr).

Es wird also groß gefeiert im Saarland – dem katholischsten aller Bundesländer. Nur rund 18 Prozent der Saarländer sind evangelisch, während der Anteil der Katholiken bei 66 Prozent liegt. Trotzdem war das Saarland das erste Bundesland, das den Reformationstag zum einmaligen Feiertag erklärt hatte – auf Initiative der katholischen Ministerpräsidentin, die, wie Weyer betont, „überzeugte Ökumenikerin“ ist. Inzwischen sind alle anderen Länder nachgezogen.

Weyer hofft, dass das Jubiläum – ganz im Geiste der Reformation – den Anstoß für einen Wandel in der Kirche gibt. Denn der, so Weyer, sei dringend nötig: „Wenn wir es beim Feiern belassen würden, wäre das ganze Jubiläum sinnlos. Wir müssen ernsthaft diskutieren, wie die Kirche zukunftsfähig wird.“ Impulse dazu sollen 22 „neue“ Thesen geben, die am 30. und 31. präsentiert werden. Im Frühjahr wird sich dann eine Synode des Kirchenkreises Saar-West intensiv damit befassen.

Einen Schlüssel für den Wandel sieht Weyer in der Ökumene. Auch die obersten Repräsentanten der Katholischen und Evangelischen Kirche in Deutschland haben sich im Reformationsjahr das Thema Ökumene auf die Fahnen geschrieben und gefordert, die Kirchen müssten „noch stärker eins werden“. Bis zum gemeinsamen Abendmahl ist es aber offenbar noch ein weiter Weg. So betonte etwa der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki die „ethischen Grunddifferenzen“ zwischen den Konfessionen. In Weyers Augen ist es höchste Zeit, die Gräben zu überwinden: „Es wäre jetzt allmählich fällig, den Schritt zum gemeinsamen Abendmahl zu gehen. Aber das können wir im Saarland natürlich nicht alleine machen.“

Alle Veranstaltungen rund um das Reformationsfest am 30. und 31. Oktober finden Interessierte im Internet unter www.reformation2017-saar.de und unter www.nacht-der-kirchen-saar.de.