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„Medaillen wünschen wir uns ja alle“

„Medaillen wünschen wir uns ja alle“

Martin Bartels ist derzeit kommissarischer Präsident des Saarländischen Schwimm-Bundes. Im Frühjahr 2015 soll der Zweibrücker offiziell Nachfolger von Bernd Coen werden, der das Amt aus persönlichen Gründen niederlegte. Im Gespräch mit Merkur -Mitarbeiter Sebastian Zenner erklärt Bartels, weshalb Familien-Urlaube künftige Nachwuchs-Schwimmer sichern.

Martin Bartels soll im Frühjahr Nachfolger des bisherigen Präsidenten des saarländischen Schwimm-Verbandes, Bernd Coen, werden. Fotos: Wieck (2)

Herr Bartels, welche Ziele verfolgen Sie in Ihrem neuen Amt?

Martin Bartels: Ich hoffe, dass ich dieses Amt so ausfüllen kann, wie Bernd Coen es getan hat. Er war ja auch lange Jahre in der Sportpolitik aktiv, ich komme aus der Wirtschaft. Aber ich hatte in den vergangenen Jahren Zeit, mich an die Aufgaben zu gewöhnen und einiges zu lernen. Jetzt werde ich zusehen, die großen Fußstapfen auszufüllen, die er hinterlassen hat. Mein Ziel ist es, seine erfolgreiche Arbeit fortzuführen.

Wir kamen Sie zum Schwimmen?

Bartels: Um meinen persönlichen Bezug herzustellen, muss man schon ein paar Jahre zurückgehen. Ich wurde damals als Zehnjähriger vom damaligen Bundestrainer Horst Planert zum Probeschwimmen an der Sportschule eingeladen. Leider haben das meine Eltern damals nicht unterstützt, und so wurde daraus nichts. Mittlerweile kommt meine Affinität zum Schwimmsport über meine Söhne Felix und Moritz, die im Leistungsbereich unterwegs sind.

Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung des Schwimmsports im Saarland?

Bartels: Unser Problem ist, dass das Schwimmen von vielen Leuten als Kern-Sportart und Kern-Fortbewegungsart immer mehr unterschätzt wird. Das zeigt sich in allen Bereichen des Breitensports und auch im Freizeitangebot wie zum Beispiel in Schwimmbädern. Wobei ich differenzieren möchte zwischen Schwimmbädern und Badespaß-Einrichtungen. Wir sind zwar im Moment noch recht erfolgreich, aber zusammen mit den Trainern hat es sich der Verbandsvorstand zur Aufgabe gemacht, im Nachwuchsbereich wesentlich mehr zu machen.

Allerdings fällt es den Vereinen schwerer, Schwimmschulen anzubieten, wenn es immer weniger Schwimmbäder gibt . . .

Bartels: Die Kosten für Schwimmbäder und auch Lehrschwimmbecken sind enorm hoch. Ich verstehe auch die Kämmerer der Kommunen, die sagen, dass ihnen solche Einrichtungen quasi die Haare vom Kopf fressen. Aber man muss dies auch mit anderen Sportarten vergleichen, bei denen ebenfalls Kosten entstehen. Zum Beispiel kosten Kunstrasen-Fußballplätze viel Geld in der Entstehung, und sie müssen nach zwölf bis 15 Jahren wieder erneuert werden. Das sind Kosten, die unter Umständen nicht in die gleiche Waagschale geworfen werden. Das ist natürlich eine Entwicklung, die uns das Leben schwer macht.

Sehen Sie auch einen Rückgang der Motivation, schwimmen zu gehen?

Bartels: Eine gewisse Grundmotivation ist schon da. Spätestens, wenn Eltern mit ihren Kindern im Sommerurlaub in ein Hotel mit Pool fahren, entsteht dort der Wunsch, dass die Kinder aus Sicherheitsgründen schwimmen lernen. Nach dem Absolvieren des Seepferdchens verlieren viele Kinder allerdings das Interesse, und es ist für die Vereine schwierig, die Ausbildung fortzusetzen. Die große Chance sehe ich darin, dass die Schwimmvereine viele Kinder noch vor anderen Sportvereinen bekommen. Aber das Problem ist, die Kinder beim Schwimmsport zu halten.

Woran liegt das?

Bartels: Das hat sicherlich damit zu tun, dass das Schwimmen eine der trainingsintensivsten Sportarten ist. Gerade motorisch ist sie sehr anspruchsvoll, weshalb man mit ihr am besten ganz früh beginnt und sich dann kontinuierlich und systematisch weiterentwickelt. Bei anderen Sportarten können Kinder oder Jugendliche noch relativ spät einsteigen. Das ist beim Schwimmen nur schwer möglich.

Was kann der Verband tun, um mehr Nachwuchs langfristig für sich zu gewinnen?

Bartels: Wir haben das Angebot gerade für Kinder an der Sportschule erweitert und haben mittlerweile große Kinder- und Jugendgruppen, die hier trainieren. Zusätzlich können die Vereine ihre Kinder teilweise hier mittrainieren lassen. Besonders wichtig ist meiner Meinung nach, dass die Eltern hier miterleben können, wie sich alles entwickelt, und merken, dass sie keine Angst davor haben müssen, welcher Aufwand auf sie und die Kinder zukommt.

Tragen diese Maßnahmen bereits Früchte?

Bartels: Bei den jungen Nachwuchs-Schwimmerinnen und -Schwimmern sehen wir Gott sei Dank wieder einige Talente nachkommen. Man muss aber sagen, dass der Erfolg des Schwimmverbandes ohne die Rahmenbedingungen, die uns der Landessportverband für das Saarland (LSVS) zur Verfügung stellt, also auch die Schwimmhalle, nicht möglich wäre. Ein ganz wichtiger Aspekt ist auch die Kooperation mit dem Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasium. Das beginnt bei der Hausaufgabenbetreuung und geht bis zur Streckung der Abiturzeit für die Leistungssportler in der Oberstufe. Die schulischen Leistungen der Schwimmer sind hier zum Teil besser als vorher in anderen Schulen.

Wie gestalten sich allgemein die finanziellen Möglichkeiten Ihres Verbandes?

Bartels: Wir werden vom LSVS sehr gut unterstützt. Im Leistungsbereich denken wir ja in Olympiaden - also in Vierjahres-Abständen. Da wäre der nächste auch finanzielle Meilenstein Rio de Janeiro 2016. Man muss sehen, wie es danach weitergeht, aber ich hoffe, dass wir dann weiterhin so gut ausgestattet sind, wie wir es heute sind.

Welche Erwartungen haben Sie für Rio 2016 in sportlicher Hinsicht. Eine Medaille?

Bartels: Medaillen wünschen wir uns ja insgeheim alle. Andreas Waschburger war in London auf Medaillenkurs und hatte an der Verpflegungsstation Pech. Trotzdem hat er sich mit seinem achten Platz sehr gut geschlagen. Wir hoffen, dass alle gesund bleiben und arbeiten systematisch auf die Olympischen Spiele hin. Wenn wir dann noch das notwendige Quäntchen Glück haben, werden wir sehen, was herauskommt.

Warum sollten sich junge und ältere Menschen ausgerechnet für Ihre Sportart entscheiden?

Bartels: Ganz wichtig für Eltern ist: Bei uns kommen die Kinder und Jugendlichen immer sauber nach Hause, und sie schlafen in der Regel auch gut (lacht). Für mich gibt es zum Beispiel keine bessere Alternative, um Sport zu treiben, ohne mir die Knie kaputt zu machen. Schwimmen ist ein Sport, den einfach jeder betreiben kann.In den vergangenen beiden Jahren stellte der Saarländische Schwimm-Bund (SSB) 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Europa- und Weltmeisterschaften der Jugend. Hinzu kommen mit Annika Bruhn, Andreas Waschburger , Christoph Fildebrandt und Alexander Liess vier Olympia-Teilnehmer. Talente wie Antonia Massone, Marlene Hüther, Sarah Bosslet, Daniel Kober, Felix Bartels und andere stehen ebenfalls bereits in den Startlöchern. "Das gibt es wohl deutschlandweit sonst nicht", kann Hannes Vitense behaupten. Der saarländische Landestrainer ist stolz auf diese Zahl und vor allem auf die Entwicklung der Nachwuchsarbeit im kleinsten deutschen Flächenland.

"Wir können hier die ganze Bandbreite des Schwimmsports abdecken und sind von den Kurzbahnlern wie Fildebrandt und Bruhn bis hin zu Freiwasser-Spezialisten wie Waschburger hervorragend aufgestellt", findet Vitense. Die meisten Schwimmer kommen sogar aus der Region. Die Zugezogenen wurden vom Stützpunkt mit den "besten Trainingsbedingungen der Welt", wie es die Schwimmer nennen, angelockt. "Wir haben 98 Kaderathleten", freut sich Vitense. "Das ist ganz krass - und ich hätte das selbst nicht gedacht. Ich ging von rund 60 aus."

Für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit lobt der Landestrainer insbesondere Dominik Haberecht (Landesaufbaukader), Stephanie Lauer (Landessichtungskader) und Joachim Reinke (Landeslehrgruppe). Kommende Saison wird das Nachwuchs-Trainerteam noch von Carina Brechters verstärkt.

"Wir wollen die Kooperation mit den Vereinen intensivieren. Damit haben wir letzte Saison begonnen", erklärt Vitense und meint insbesondere die Einrichtung der Talentstützpunkte beim ATSV Saarbrücken , dem SC Illingen und den WSF Zweibrücken. "So wollen wir es schaffen, dass mehr Talente das Schwimmen als Leistungssport für sich entdecken und dass sich die Vereine in der Breite an die Zusammenarbeit mit uns gewöhnen und diese intensivieren", sagt Vitense. Die Leistungsfähigkeit in der Spitze bietet für ihn dann den Ansporn, "die neuen Fildebrandts, Bruhns und Waschburgers zu finden". Dies gilt für die Jahrgänge 2003 und jünger.

Die Breite stärkt die Spitze und umgekehrt - ein Konzept, das aufzugehen scheint. "Ich bin zuversichtlich, dass wir zusammen mit unseren jungen, kreativen und hungrigen Trainern Ideen entwickeln können, um dies weiter auszubauen", sagt Vitense. Vor einigen Jahren gab er noch das Ziel aus, jedes Jahr einen internationalen Teilnehmer zu stellen und eine zweistellige Anzahl an nationalen Medaillen zu holen. "Das war ein realistisches Ziel für das Saarland. Mittlerweile haben wir in den letzten beiden Jahren 14 internationale Teilnehmer und 33 nationale Medaillen gehabt", betont der Landestrainer und deutet auch an, dass er seinen Schützlingen zutraut, bei Olympia in Rio de Janeiro 2016 "etwas Außergewöhnliches" zu schaffen: "Wir haben jedenfalls einige heiße Eisen im Feuer."