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Italienische Zentralbank: Wie die neuen 200-Euro-Geldscheine entstehen

Hinter den Kulissen einer Gelddruckerei : Wo nonstop Euro-Millionen gedruckt werden

Gelddruckereien sind streng geheim und abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Ausnahmsweise gewährte jetzt eine einen Einblick.

So sehen 40 Millionen Euro in bar aus. Irgendwie unglamourös. 20 unscheinbare weiße Kisten stehen auf einer Palette übereinandergestapelt. In jeder sind neue 200-Euro-Scheine im Wert von zwei Millionen Euro. Was sich mit dieser kleinen Kiste im Leben alles ändern könnte! Doch darüber denkt von den Mitarbeitern hier scheinbar niemand nach. Sie sind es gewohnt.

In der Gelddruckerei der italienischen Notenbank laufen Milliarden an neuen Geldscheinen wie Spielgeld aus den Maschinen. Seit gestern kommen die neuen 200er zusammen mit überarbeiteten 100-Euro-Scheinen in Umlauf. Das Leben dieser neuen Banknoten beginnt an einer großen Ausfallstraße in Rom. In dem Hochsicherheitstrakt werden die Scheine gedruckt, die die Europäische Zentralbank (EZB) für die 19 Euro-Länder entworfen hat. Es gibt zwar in anderen Ländern ebensolche Druckereien, auch in Deutschland. Aber hier in Rom darf man ausnahmsweise beim Geldmachen zugucken.

Riesige Maschinen dröhnen in den großen Hallen vor sich hin, Geld rauscht am laufenden Meter vorbei. Männer schleppen große Papierbögen mit aufgedruckten Geldscheinen hin und her, prüfen die Qualität, sortieren aus, tippen auf Computern. Der Geldschein durchläuft verschiedene Stationen: Das Baumwollpapier für den 100er und 200er stammt aus einer Fabrik in Frankreich. Dort wird das Wasserzeichen eingearbeitet. Dann kommt der neue Folienstreifen auf die Papierbogen. Durch den soll Fälschern das Leben besonders schwer gemacht werden. Darauf ist ein neues „Satelliten-Hologramm“, auf dem sich Euro-Symbole um die Wertzahl bewegen, und ein Porträt-Fenster, in dem der Kopf der Mythenfigur Europa erscheint.

Mit einer Spezialfarbe werden die Noten bedruckt. Anschließend folgen weitere Druckverfahren. Am Ende schneidet eine Maschine die Scheine in Form. In einem Tunnel werden noch mal alle Daten überprüft, bevor ein Roboter die fertigen Bündel in die weißen Kartons packt. Ein Mitarbeiter sammelt Geldschein-Reste in einen Sack, der wie Sondermüll entsorgt wird. Damit die Fälscher nicht an wichtige Infos zum Material kommen.

Die Banknoten werden überarbeitet, um Fälschern voraus zu sein. Die erste Serie wurde 2002 ausgegeben. „Natürlich hat sich die Technologie weiterentwickelt, und sie hat sich auch für die Fälscher weiterentwickelt. So dass es für uns an der Zeit war, technologisch den nächsten Schritt zu setzen und dem Fälscher einen Schritt voraus zu sein“, sagt Harald Deinhammer, Experte für Banknotenforschung bei der EZB. Die Entwicklung für die neue Europa-Serie hat mehr als zehn Jahre gedauert. So fälschungssicher wie der Euro sei kaum eine andere Währung. Deinhammer spricht von der „sichersten Banknote, die wir je produziert haben“. Etwa 500 000 bis 600 000 Fälschungen würden pro Jahr entdeckt. Das stehe im Verhältnis zu 22 Milliarden echten Banknoten. Mitarbeiter müssen absolut vertrauenswürdig sein und unterschreiben, dass sie sensitive Informationen nicht nach draußen geben. Sie dürfen nicht von vorne gefilmt oder fotografiert werden, damit sie nicht identifizierbar sind und nicht Gefahr laufen, von Unbekannten bedroht zu werden. Auch darf niemand wissen, wo genau die Druckmaschinen stehen.