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Handelsaktion: Gemeinsam aktiv für den Einkauf vor Ort

Handelsaktion : Gemeinsam aktiv für den Einkauf vor Ort

Zwei Tage im September stehen in diesem Jahr wieder unter dem Motto: Heimat Shoppen. Die Aktion soll den regionalen Handel unterstützen.

(jwo) Leer stehende Läden, verödete Fußgängerzonen – in manch einer Kommune lässt sich leicht beobachten, wie sehr der Handel das städtische Leben beeinflusst. Und was passiert, wenn Handelsstrukturen nicht mehr da sind. Hanno Dornseifer, Präsident der saarländischen Industrie und Handelskammer (IHK), macht das an seiner Heimat fest, einem Vorort von Homburg: „Früher gab es da Bäcker, Metzger, Einzelhandel“, sagt er. Heute sei davon nichts mehr vorhanden. Vororte mutieren zu reinen Schlaf-Siedlungen, ältere Menschen haben kaum noch Möglichkeiten, sich ohne Hilfe vor Ort zu versorgen.

Einst waren es die großen Supermärkte und Discounter, die den Nahversorgungs-Läden in den Orten die Luft zum Leben genommen haben, jetzt ist der gesamte regionale Handel unter Druck. Immer mehr Menschen setzen auf den schnellen Einkauf per Mausklick. Weil es schlicht einfacher ist, eine Ware schnell im Internet zu ordern statt in den nächsten Ort zu fahren und dort mit dem Risiko ein Geschäft aufzusuchen, dass die Ware nicht vorhanden ist. Doch mit einer großen, deutschlandweiten Aktion werben die Händler, die IHK und auch der Sparkassenverband dafür, genau das zu tun: Vor Ort Einkaufen. Die Aktion „Heimat Shoppen“, die 2017 Premiere hatte, soll Käufer am 7. und 8. September stärker dafür sensibilisieren, dass der Einkauf vor Ort nicht alleine den Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft zugute kommt. Denn die Unternehmen beschäftigten Bewohner der Region, sie zahlen Steuern, sie bilden aus.

„Letztlich stellt sich die Frage, wie wir künftig leben wollen – und diese Frage sollten wir uns besser früher als später stellen“, sagt Dornseifer. „Der Einzelhandel hält Ortskerne lebendig und attraktiv, sichert die Versorgung vor Ort und gestaltet ein lebendiges Stadtleben.“ Jede fünfte Ausbildungsstelle, betont der IHK-Präsident, kommt aus dem Einzelhandel, mit Hotel- und Gaststätten ist es sogar jede vierte Ausbildungsstelle. Spezielle Tüten, die die Kunden als „Heimat-Shopper“ ausweisen, Info-Zettel, Plakate – mit einem breiten Werbeangebot und zahlreichen Zusatzaktionen will der Handel an den zwei September-Tagen sich und seine regionale Bedeutung ins richtige Licht rücken.

In diesem Jahr soll die Aktion Heimat Shoppen im Saarland deutlich mehr Resonanz finden als vor einem Jahr. Damals hatten sich 17 Kommunen beteiligt, diesmal werden es nach Aussagen von Leander Wappler, bei der IHK für den Geschäftsbereich Handel, Tourismus und Stadtentwicklung zuständig, 29 Kommunen sein. Neu dabei sind unter anderem Ottweiler, Riegelsberg, Wallerfangen, Blieskastel und Friedrichsthal. Vor allem sind es Umlandgemeinden, denn wie der Friedrichsthaler Bürgermeister Rolf Schultheis betont, sind diese weit stärker vom Wandel im Einkaufsverhalten betroffen als die großen Städte.

Tatsächlich beteiligt sich Saarbrücken – abgesehen von der Händlergruppe Mainzer Straße – nicht an der Aktion. Das liegt nach Angaben von Melanie Burger-Hennen, Präsidentin des Einzelhandelsverbandes im Saarland, allerdings auch an der Käuferstruktur in Saarbrücken. „Wenn ich vor allem französische Käufer habe, ist Heimat Shoppen vielleicht nicht der richtige Slogan“, sagt Burger-Hennen. Sie warnt auch ausdrücklich davor, nur einseitig die Online-Händler zu verurteilen. Schließlich gebe es auch im Saarland große Online-Händler, die es zu unterstützen gelte. Vielmehr müsse eine umfassende Initiative zur erfolgreichen Rettung des Einzelhandels ins Auge gefasst werden, sagt sie.