Drohende Flugausfälle: Verdi setzt an drei Airports auf Warnstreiks

Tarifkonflikt : Heute drohen viele Flugausfälle

Verdi ruft das Sicherheitspersonal an drei Flughäfen zu Warnstreiks auf. Über 100 000 Reisende sind betroffen.

Warnstreiks an drei großen deutschen Airports dürften heute zu zahlreichen Flugausfällen führen. Mehr als hunderttausend  Reisende sind betroffen. An den Standorten Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart werde es zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen der Sicherheitsbeschäftigten kommen, teilte die Gewerkschaft Verdi gestern mit.

Damit schaltet die Arbeitnehmervertretung im laufenden Tarifkonflikt einen Gang höher: Zu Wochenbeginn hatte ein etwa vierstündiger Warnstreik an den Berliner Airports dazu geführt, dass etwa acht Prozent der Flüge an diesem Tag ausfielen. Die Arbeitgeber kritisierten das Vorhaben als „völlig überzogen“.

Insgesamt werden für die Flüge an den drei Airports etwa 111 000 Reisende erwartet. Allein in Düsseldorf sind es nach Flughafenangaben etwa 58 600 Passagiere, dort waren für heute 570 Landungen und Abflüge geplant. In Köln/Bonn sind es 199 und in Stuttgart 270. Wie viele dieser Verbindungen gestrichen werden müssen, war unklar.

Die Tarifgespräche waren schon im Herbst gestartet, ohne zu einem Ergebnis zu führen. Es geht um das private Sicherheitspersonal, das die Passagiere, die Fracht, Waren und die Flughafenbeschäftigten überprüft. Bei der Bezahlung gibt es große regionale Unterschiede. In Ostdeutschland sind es nach Arbeitgeberangaben bei Passagierkontrolleuren 14,70 Euro und im Westen bis zu 17,16 Euro pro Stunde. Angestellte, die nur für die Fracht und das Flughafenpersonal zuständig sind, bekommen weniger, hier liegt die Untergrenze bei 12,90 Euro. So viel wird in Thüringen gezahlt. Hinzu kommen noch Zuschläge für Sonntagsdienste oder Nachtarbeit.

Verdi fordert eine Bezahlung von bundesweit 20 Euro pro Stunde für die rund 23 000 Beschäftigten der Flugsicherheit. Nach Rechnung der Arbeitgeber bedeutet die Verdi-Forderung eine Anhebung des Lohns um bis zu 44 Prozent und sei damit „völlig unrealistisch“. Sie bieten nach eigener Darstellung ein Plus von bis zu 6,4 Prozent. Das sei „definitiv verhandlungsfähig“, so der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS). „Trotziges Füßestampfen hilft uns gerade nicht weiter, sondern geht ausschließlich auf Kosten der Reisenden, Flughäfen und Fluggesellschaften“, sagte BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser.

Verdi sieht das anders. Aus Sicht der Gewerkschaft ist das Angebot so niedrig, dass ein Tarifkompromiss nicht möglich ist. Für die meisten Beschäftigten wäre das Arbeitgeberangebot nach Verdi-Rechnung nur ein Plus von zwei  Prozent. „Die Beschäftigten der Luftsicherheitsunternehmen müssen für ihre schwere und verantwortungsvolle Aufgabe eine deutlich höhere Entlohnung erhalten“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher.

Von den Warnstreiks sind die Flugzeuge samt Tower zwar nicht direkt betroffen. Da die Piloten und Flugbegleiter sowie die Passagiere und das Tower-Personal jedoch nicht oder nur sehr spät durch die Sicherheitsschleusen kommen könnten, dürften zahlreiche Flüge gestrichen werden, zumal die Maschinen wohl nicht wie üblich mit Koffern und Verpflegung beladen werden können.

Es sei „mit erheblichen Beeinträchtigungen des Flugbetriebs wie Flugausfällen und Verspätungen zu rechnen“, teilte der Flughafen Köln/Bonn mit. Passagiere werden gebeten, sich vor Anreise bei der Airline zu informieren und früh loszufahren. Handgepäck solle auf ein Minimum reduziert werden, um die Kontrollen zu beschleunigen. Auch am Stuttgarter und Düsseldorfer Airport rechnet man mit „erheblichen Einschränkungen“.