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So schlimm geht es Griechenland wirklich

So schlimm geht es Griechenland wirklich

Brüssel. Bis 2020 braucht Griechenland etwa 254 Milliarden Euro vom Rettungsschirm - 150 Milliarden mehr als noch im Juli errechnet. Da die Wirtschaft derzeit aber nicht vom Fleck kommt, die Privatisierung nicht anläuft und deshalb die Risikoaufschläge weiterhin unbezahlbar sind, könnten es am Ende auch 444 Milliarden Euro sein

Brüssel. Bis 2020 braucht Griechenland etwa 254 Milliarden Euro vom Rettungsschirm - 150 Milliarden mehr als noch im Juli errechnet. Da die Wirtschaft derzeit aber nicht vom Fleck kommt, die Privatisierung nicht anläuft und deshalb die Risikoaufschläge weiterhin unbezahlbar sind, könnten es am Ende auch 444 Milliarden Euro sein. Ende 2011 wird der Anteil der Schulden am Bruttoinlandsprodukt bei 162 Prozent liegen. Schon 2013, so schätzen die Experten von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission, dürfte der Anteil der Schulden an der Wirtschaftsleistung auf 186 Prozent klettern. Mit anderen Worten: Die Schuldenlast liegt doppelt so hoch wie das, was die Griechen pro Jahr erwirtschaften. Bei dieser Entwicklung könne eine griechische Regierung frühestens 2020 wieder Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Erst 2030 werde die Schuldenquote die 120-Prozent-Marke erreichen. Und selbst das ist noch dramatisch hoch, Italien meldet derzeit 120 Prozent, Deutschland knapp 80 Prozent. Erlaubt sind 60 Prozent.Unter der Voraussetzung, dass die Banken auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten, würde es nach Ansicht der Experten reichen, das bereits beschlossen zweite Hilfspaket für Athen von 109 auf 114 Milliarden Euro zu erhöhen. Sollte gar ein Schuldenschnitt von 60 Prozent möglich sein, käme man mit den vereinbarten 109 Milliarden Euro hin. Es gäbe aber noch einen anderen Weg: Sollten die Partner den Griechen bis 2020 die Rückzahlung der Zinsen für Schulden erlassen, würde das Land bereits 2014 auf gutem Weg sein und könnte ein Plus von 4,5 Prozent erwirtschaften.

Besonders drastisch aber ist diese Erkenntnis der Troika: Ein Expertenbesuch alle paar Wochen, wie ihn die drei Fachleute bisher unternommen haben, reicht nicht. IWF, EZB und EU-Kommission sollten Spezialisten nach Griechenland schicken und die gesamte Verwaltung des Haushaltes unter Kuratel stellen. De facto bedeutet dies eine vollständige Übernahme des Landes unter die Oberhoheit der Euro-Zone. dr