Saar-Arbeitskammer will 10,80 Euro Mindestlohn

Saar-Arbeitskammer will 10,80 Euro Mindestlohn

Die Arbeitskammer Saar fordert einen Mindestlohn von 10,80 Euro. Deren Vorstandschef Hans Peter Kurtz argumentiert, so könne Altersarmut verhindert werden. Die Saar-Wirtschaft hält dagegen.

. Die Arbeitskammer sorgt für Aufregung in der Debatte um die künftige Bezahlung von Arbeitnehmern. Kammer-Vorstandschef Hans Peter Kurtz forderte gestern einen Mindestlohn von 10,80 Euro. Dies bringe gerechtere Arbeitsbedingungen in unteren Lohngruppen und verhindere Altersarmut, sagte er in Saarbrücken. Die deutschlandweit diskutierten 8,50 Euro seien nur das Mindeste.

Kurtz verwies zudem auf eine Beschlusslage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Dieser habe schon auf seinem Bundeskongress 2006 einen Mindestlohn von 7,50 Euro gefordert, 2010 dann 8,50 Euro. Berücksichtige man Entwicklungen wie die Inflation, dann liege man inzwischen bei den besagten 10,80 Euro. Thorsten Bischoff, Sprecher im Saar-Wirtschaftsministerium, verwies dagegen auf den im Koalitionsvertrag vereinbarten Einstieg in einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. Dies entspreche der gemeinsamen Position mit den Gewerkschaften. Selbstverständlich werde es künftig zu Anpassungen kommen müssen, etwa wegen eines Inflationsausgleichs.

Im Arbeitgeberlager stießen die Überlegungen der Arbeitskammer auf Ablehnung. Nach Ansicht von Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände (VSU), müsse das Hauptinteresse sein, wie man Menschen mit Behinderungen, Lücken in der Ausbildung oder auch sozialen Problemen in reguläre Arbeitsverhältnisse bringen könne - selbst bei einer geringeren Entlohnung. Das Recht auf Arbeit sei ein Menschenrecht. Je höher der Mindestlohn steige, desto mehr wachse die Gefahr, dass Menschen mit Benachteiligungen zu den Verlierern gehörten. Es drohe dann Personalabbau. Mark Baumeister, Chef der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), betonte: "Ich sehe nicht, dass Menschen mit Behinderungen oder sonstigen Handicaps benachteiligt wären, wenn der Mindestlohn in dieser Höhe kommt." Die Arbeit müsse erledigt werden. >

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