Im Jemen erstirbt die Hoffnung auf ein Ende des Krieges

Im Jemen erstirbt die Hoffnung auf ein Ende des Krieges

Die Feuerpause im Bürgerkriegsland Jemen verraucht – wieder einmal. Keine der Konfliktparteien denkt daran, die Waffenruhe zu verlängern. Millionen sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

In Tais, der drittgrößten Stadt des Jemen, haben die Menschen nichts davon mitbekommen, dass sich die Konfliktparteien auf eine dreitägige Waffenruhe geeinigt hatten. Die Stadt, die mal berühmt war für ihren Kaffee, ist heute ein Symbol für das Leid der Menschen in dem Bürgerkrieg. "Tais ist von allen Seiten umzingelt", sagt Naschwan al-Hami, der Direktor des ärztlichen Dienstes in Tais. "Wegen des Beschusses mussten die Hilfslieferungen eingestellt werden." Schiitische Huthi-Milizen haben die Stadt unter Feuer genommen. Vor dem Krieg lebten mehr als 600 000 Menschen in der Stadt. Wie viele es jetzt sind, kann man nicht sagen, weil zahlreiche Menschen vor den Kämpfen geflohen sind. Auch Jehad Ali machte sich vor sechs Monaten auf den Weg in die 275 Kilometer entfernte Hauptstadt Sanaa . Wie sie äußern viele im Jemen, dass ihnen die Waffenruhe nichts bedeutet.

J ehad Ali ist eine von mehr als 2,2 Millionen Flüchtlingen, die innerhalb des Jemen auf der Flucht sind. Die meisten Menschen, die ihre Heimat wegen der Kämpfe aufgeben mussten, sind innerhalb der Landesgrenzen unterwegs. Die Lage im Land ist katastrophal: Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung seien auf Hilfe angewiesen, sagte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Adrian Edward. "Die meisten Flüchtlinge leben unter unvorstellbaren Bedingungen." Viele hätten sich in öffentlichen Gebäuden oder verlassenen Rohbauten eingerichtet. Die Wasserversorgung sei in Teilen des Landes zusammengebrochen. Mehr als zwei Millionen Menschen sind nach UN-Angaben akut unterernährt, die Hälfte davon sind Kind er.

Nur wenige Stunden nach dem Ende der dreitägigen Feuerpause flog die von Saudi-Arabien angeführte Koalition erneut Luftangriffe auch auf die Hauptstadt Sanaa . Die Stadt war vor zwei Jahren von den schiitischen Huthi-Rebellen eingenommen worden, die Regierung wurde ins Exil vertrieben. Die Rebellen kontrollieren große Teile des Nordens. Saudi-Arabien griff im März 2015 in den Konflikt ein und fliegt seitdem Luftangriffe auf Huthi-Stellungen. Das sunnitische Königreich fürchtet, dass der schiitische Iran, der die Rebellen unterstützt, zu viel Macht gewinnt. Der UN-Sonderbeauftragte für den Jemen rief die Konfliktparteien kurz vor Ablauf der Waffenruhe am Wochenende zu einer Verlängerung der Feuerpause auf. Der Ruf verhallte, und die geplagte Bevölkerung hört ohnehin schon nicht mehr hin.

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