Jedes 20. Kind in Deutschland leidet echte Not

Jedes 20. Kind in Deutschland leidet echte Not

Der neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird nach SZ-Informationen ein differenziertes Bild der Kinderarmut im Land zeigen. 95 Prozent der Kinder litten keine materielle Not.

Trotz regelmäßiger Warnungen vor einem wachsenden Armutsrisiko in Deutschland leiden nur wenige Kinder in der Bundesrepublik unter materieller Not. Zu dieser Einschätzung gelangt der fünfte Armuts- und Reichtumsbericht, der gegenwärtig in der Bundesregierung abgestimmt wird und unserer Zeitung vorliegt. Demnach ist jedes 20. (fünf Prozent) der 12.9 Millionen Kinder in Deutschland mit materieller Not konfrontiert. Darunter verstehen die Autoren "einen beschränkten Zugang zu einem gewissen Lebensstandard und den damit verbundenen Gütern". Fünf Prozent bedeutet deutlich weniger als im EU-weiten Schnitt (neun Prozent). 2,4 Millionen Kinder in Deutschland, also fast ein Fünftel, hätten aber ein "Armutsrisiko", weil die Haushalte, in denen sie lebten, über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügten. Die Autoren des Berichts stellen auch klar: Ohne Sozialtransfers und Familienleistungen bliebe das Nettoeinkommen von Haushalten mit Kindern und Jugendlichen "in fast der Hälfte der Fälle" unterhalb von 60 Prozent des mittleren Einkommens - und knapp jedes dritte Kind unter 18 wäre von Armut bedroht.

Am höchsten, nämlich 60 Prozent, ist das Armutsrisiko von Kindern, wenn beide Elternteil ohne Job sind. Betroffen davon sind rund eine Million Kinder. Ist jedoch ein Elternteil in Vollzeit erwerbstätig, fällt das Armutsrisiko für Kinder "schon deutlich auf etwa 15 Prozent". Bei einer Vollerwerbstätigkeit beider Eltern sind es nur noch drei Prozent. Besonders schlechte Karten haben indes Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten. Schon für Einzelkinder liegt das Armutsrisiko hier mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt. "Bei zwei oder mehr Kindern steigt das Armutsrisiko weiter stark an", heißt es im Entwurf. Ein Lichtblick: Wohl durch den starken Arbeitsmarkt ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Bedarfsgemeinschaften mit Hartz IV leben, zwischen 2010 und 2015 um fünf Prozent gesunken.

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