Mondlandung Chinas Sprung zur Großmacht im All

Peking · Als erste Nation landete das Reich der Mitte auf der Rückseite des Mondes. Das Manöver der Raumsonde „Chang‘e 4“ hat vor allem symbolischen Wert.

Die sogenannte Rückseite des Mondes galt lange als Mysterium, denn von der Erde aus ist sie nicht sichtbar. Dauerhaft dunkel aber ist die der Erde abgewandte Seite unseres Trabanten deshalb noch lange nicht – auch wenn spätestens seit Pink Floyds legendärem Rock-Album „The Dark Side of the Moon“ von 1973 immer wieder über eine „dunkle Seite des Mondes“ fantasiert wird.

Fakt ist: Der Mond dreht sich so um die Erde, dass er ihr immer dieselbe Seite zuwendet. Eine Umrundung dauert rund vier Wochen. Innerhalb dieser Zeit bestrahlt die Sonne reihum alle Seiten des Mondes. Bei Vollmond wird die der Erde zugewandte Seite des Mondes erhellt, bei Neumond die abgewandte.

Und auf eben jener abgewandten Seite sind die Chinesen jetzt als erste Nation gelandet. Ein Meilenstein für Pekings Weltraumprogramm. Als die Raumsonde „Chang‘e 4“ gestern Morgen genau zur geplanten Zeit um 3.26 Uhr im Aitken-Krater in der Nähe vom Südpol aufsetzt, macht sich Erleichterung unter den Wissenschaftlern und Ingenieuren im Pekinger Kontrollzentrum breit. Das Manöver galt als besonders schwierig, weil die Rückseite des Mondes im Funkschatten zur Erde liegt.

„Die Landung hat vor allem einen großen symbolischen Wert“, sagt der Dortmunder Techniksoziologe und Weltraumexperte Johannes Weyer. Die Amerikaner hätten sich in der Vergangenheit mit den Russen einen Wettkampf um die Vorherrschaft im All geliefert – und gewonnen. Jetzt kommen die Chinesen, „die demonstrieren, dass sie eine technologische Großmacht sein wollen“. China hatte extra einen Satelliten stationiert, der die Signale der Sonde weiter zur Erde leitet.

Nicht nur auf der Erde, auch im All müssen sich die USA daran gewöhnen, dass sie neue Konkurrenz bekommen. Mit Roboterfahrzeugen, die lediglich Fotos von der Mondoberfläche machen, will sich China bei seinen ambitionierten Plänen nicht mehr lange begnügen.

Kaum ist die nach der chinesischen Mondgöttin benannte „Chang‘e 4“ gelandet, steht auf Pekings eng durchgetaktetem Weltraum-Plan schon die nächste Mission an. Mit „Chang‘e 5“ sollen noch in diesem Jahr Gesteinsproben zurück auf die Erde gebracht werden. 2030 soll dann erstmals ein Chinese auf dem Mond landen.

„Alles baut aufeinander auf“, sagt Ouyang Ziyuan, führender wissenschaftlicher Berater des chinesischen Mondprogramms. China denke sehr langfristig – und zeigt auch Interesse an den Rohstoffen auf dem Mond, besonders an Helium-3. Das Isotop gilt als möglicher Brennstoff für Kernfusionskraftwerke in ferner Zukunft.

Doch nicht nur auf dem Erdtrabanten verfolgt Peking ambitionierte Pläne. 2018 schickte China zum ersten Mal mehr Raketen in den Orbit als jedes andere Land. Die Last, die neue Raketen-Generationen ins All tragen können, steigt dabei stetig. So soll für China nicht nur bald schon eine Reise zum Mars Wirklichkeit werden, sondern bereits in naher Zukunft der Bau einer großen chinesischen Raumstation gelingen, die ständig bemannt ist. 2022 soll sie betriebsbereit sein.

Chinas Raumfahrtvorhaben dienen nicht nur dem Prestige und der wissenschaftlich-technischen Entwicklung, verfolgt werden ganz klar auch militärische Interessen. Militärexperten in China verweisen gerne darauf, dass künftige Kriege im All gewonnen werden. „Wer Raketen in den Weltraum schießt, kann auch andere Länder bedrohen. Das muss man immer im Hinterkopf haben“, sagt Weltraumexperte Weyer.

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