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Saarland: Olaf Scholz besucht Saarlouis – und wird wie Popstar bejubelt

Wahlkampfbesuch im Saarland : Olaf Scholz besucht Saarlouis – SPD-Kandidat wird wie Popstar bejubelt

Olaf Scholz ist auf Wahlkampfbesuch im Saarland und besucht Saarlouis. Dabei wird er von den Menschen fast bejubelt wie ein Popstar

Ein bisschen läuft der Auftritt von Olaf Scholz am Donnerstag in Saarlouis ab wie bei einem Popkonzert. Erst kommt die Vorgruppe, bestehend aus Heiko Maas und den anderen SPD-Direktkandidaten in den saarländischen Wahlkreisen. Mehrere hundert Bürger stehen auf dem Kleinen Markt und hören wohlwollend zu. Ein paar ältere Herrschaften recken Plakate in die Höhe: „Wir grüßen den neuen Kanzler“, ist darauf zu lesen.

Dann kommt der Star, der Kanzlerkandidat der SPD, auf die Bühne, locker gekleidet im weißen Hemd, ohne Krawatte, eilt ganz nach vorn, nimmt einen Arm hoch und winkt in die Menge. Er wird zwar nicht wie eine Billy Eilish oder ein Mick Jagger bejubelt, aber viel beklatscht. Und gleich legt er los, ruhig, nie laut, in klaren, oft kurzen Sätzen, eindringlich, mit nur wenigen Spitzen gegen die Unionsparteien. Er konzentriert sich auf seine Botschaften. Es geht viel um „Solidarität und Zusammenhalt“ und einen „Aufbruch in Deutschland“ ging.

Scholz macht einige konkrete Zusagen: einen Umbau des Kindergelds, damit „kein Kind in Armut aufwachsen muss“; eine Initiative für den Bau von 400 000 Wohnungen pro Jahr, damit Wohnen bezahlbar ist, dauerhafte Stabilität der Renten, eine Absage an eine Erhöhung des Renteneintrittsalter, ein Riesen-Programm für einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien, um den „Klimawandel aufzuhalten“. Und dann spricht er noch über den Umbau der Wirtschaft, den Weg raus aus Kohle, Gas und Öl. Das bedeute „die größte Modernisierung, die unser Land je gemacht hat“ – mit dem Ziel, Industrie und Arbeitsplätze zu erhalten. Stahl- und Autoindustrie nennt er ausdrücklich. Er weiß offenbar um die Sorgen der Menschen im Saarland um die Zukunft des Ford-Werks in Saarlouis und der saarländischen Stahlindustrie. Immer wieder erntet Scholz Applaus.

Es „ist berührend, wie viele in Deutschland mir zutrauen, der nächste Regierungschef zu werden“, sagt er zum Ende seiner Rede. Scholz kommt ohne dramatische Zuspitzung aus, er heizt die Stimmung nicht an, er scheint das nicht zu brauchen, die Menschen hören ihm trotzdem zu. Der Platz füllt sich noch etwas weiter, je länger er redet. Es gibt auch keinen Hit zum Schluss – anders als bei Auftritten von Popstars. Trotzdem bekommt er am Ende reichlich Beifall– als wollten die Zuhörer noch eine Zugabe. Die bleibt zwar aus, aber Scholz kommt von der Bühne zu den Menschen herunter für Fotos, Autogramme und das ein oder andere Wort. Und dann muss er weiter zum nächsten Termin: 150 Delegierte der IG Metall erwarten ihn in Fraulautern.