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Wie man mit Wörtern Schlagzeug spielen kann

Wie man mit Wörtern Schlagzeug spielen kann

Zum siebten Mal lud das Kabarettisten-Duo Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner alias „Brunner & Barscheck“ zum Politischen Aschermittwoch ins Theater Blauer Hirsch in Saarbrücken ein. Diesjähriger Ehrengast war der Hamburger Chansonkabarettist Johannes Kirchberg.

Ist es korrekt, mehrere Leute unterschiedlichen Geschlechts kollektiv als "Gästinnen" zu begrüßen? Da kommt ein feministischer Mann schnell in Teufelins Küche! Denn faktisch korrekt ist so ein Genderdeutsch nicht. Politisch korrekt vielleicht schon eher. Aber weil politisch und korrekt meist auch nicht zusammen passen, bot der Politische Aschermittwoch der Kabarettisten auch im verflixten siebten Jahr wieder reichlich Gesprächsstoff für die beiden Gastgeber Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner alias "Brunner & Barscheck" und ihren diesjährigen Ehrengast Johannes Kirchberg. Der mag's bekanntlich ohnehin lieber unpolitisch korrekt und präsentierte sich im gut besuchten Theater Blauer Hirsch "Wie früher. Nur besser" und ganz nach der Devise "Ich dagegen bin dafür".

Dass der smarte Hamburger Chansonkabarettist den beiden Saarbrücker Lokalmatadoren beim kabarettistischen Ausfegen mitunter ganz schön die Show stahl - wen wundert's. Denn während das Politiker-Watschen von B&B jeweils vom gemeinsamen aktuellen "Jahresrückblick" im Dezember zehrt und mit entsprechend heißer Nadel gestrickt ist, durfte Kirchberg hier aus erprobten Solo-Programmen schöpfen und sich auch mal ganz unpolitisch in private Lebenskrisen stürzen. Außerdem ist Kirchberg einer, der mit Wörtern Schlagzeug spielen kann: Lustvoll, zungenbrecherisch und dennoch geradezu beiläufig gewandt fachsimpelte er vom Klavier aus über das wahre Wesen des Mannes, exerzierte sowohl sämtliche Konnotationen des Begriffs Kochen wie pietätlose Werbeslogans durch und schlug mit einem imaginären militärischen Verteidigungsfall den Bogen zur Tagespolitik. Dominierendes Thema war hier natürlich die Flüchtlingskrise, weshalb der Abend einen ungewohnt ernsten Unterton hatte: Mit Wolfgang Borcherts zeitlosem Appell "Sag nein!" bezogen alle drei eindringlich Stellung gegen jegliche Form von Hetze und Kriegstreiberei und sangen, frei nach Franz Josef Degenhardt, ein gar nicht "Schönes Lied" über Bootsflüchtlinge.

Obendrein mokierte sich Tiefenbrunner als postum empörter Ludwig II über seinen bajuwarischen Landsmann Markus Söder, während Scheck in ihrer Paraderolle als schwäbische Wutbürgerin saarländische Bausünden und die Diskussionen um Etat und Leitung des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis aufs Korn nahm. Schade nur, dass einige Pointen im lauten Knarzen des Dielenbodens untergingen: Der ächzte unentwegt unter den Schritten der eilfertig Heringe auftragenden Service-Kräfte, was der Veranstaltung eine ganz eigene Komik verlieh.