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„Wiederholungen sind höllisch ungut“

„Wiederholungen sind höllisch ungut“

Der Bildhauer Lothar Meßner feiert am Samstag seinen 90. Geburtstag. SZ-Mitarbeiterin Anika Meyer hat den Weisgerber-Preisträger von 1973, dessen Skulpturen viele Plätze im Saarland zieren, in seinem Heimatort Wadgassen besucht.

 Vor die Kamera wollte der Jubilar nicht – deshalb hier ein Archiv-Foto von Lothar Meßner aus dem Jahr 1996. Foto: Engel & Seeber
Vor die Kamera wollte der Jubilar nicht – deshalb hier ein Archiv-Foto von Lothar Meßner aus dem Jahr 1996. Foto: Engel & Seeber Foto: Engel & Seeber

In 90 Jahren Künstlerleben sammelt sich so einiges an: Zwei große Triptychen zieren die Wände des kleinen, gemütlichen Wohnzimmers in Wadgassen, außerdem zahlreiche Bilder und Skulpturen. Auf Regalbrettern: unzählige Schweißplastiken. Und mittendrin sitzt Lothar Meßner. Fast glatt ist sein Gesicht noch, die 90 Jahre, die er am Samstag voll macht, würde man ihm nicht geben.

Er allerdings merkt sie schon ein wenig. Große Plastiken wie seine Odiliensäule vor dem Dillinger "Saardom", seine Kirschweng-Figur vor der ehemaligen Prämonstratenser-Abtei in Wadgassen oder sein "Notkreuz" in Saarlouis macht er nicht mehr. Es ist ihm zu anstrengend geworden. Ab und an arbeitet er an Grafiken. Allerdings - bevor er in eine Routine verfällt - macht er lieber gar nichts: "Ich habe ein höllisch ungutes Gefühl, wenn ich merke, ich wiederhole mich." Neue Aspekte seien immer wichtig.

Ob er stolz ist, dass seine Werke an öffentlichen Plätzen im ganzen Saarland zu sehen sind? Er winkt ab. Die Leute würden die Urheber der Werke ja gar nicht kennen. Das mache ihm persönlich auch nichts aus - was kaum verwundert. Meßner war nie einer, der sich gerne feiern ließ, beispielsweise bei Vernissagen im Lob sonnte. So gab es auch bisher nur wenige Ausstellungen von ihm. Die Stadt St. Ingbert, die ihm im Rahmen der Verleihung ihres Weisgerber-Preises eine Schau ausrichten wollte, musste darauf sieben Jahre lang warten. Und dass man als freier Künstler zumeist nicht reich wird, das machte Meßner auch nie etwas aus. In dem kleinen Haus in seinem Geburtsort Wadgassen hat er alles, was er braucht. "Ich hatte nie materielle Bedürfnisse."

"Erschreckend" findet Meßner es hingegen um der Kunst willen, dass diese, so sein Eindruck, wenig Beachtung finde. Er macht sich so seine Gedanken darum. Die Masse an Kunst, die die Szene überschwemme, dass sich heute jeder Künstler nennen könne, das sieht er kritisch. "Gute Kunst hat Anspruch, Maßgefühl, Expression und Individualität. Sie fällt auf, schafft sich manchmal auch Feinde." Vor den Meistern der Renaissance und des Barock, aber auch vor heutigen Handwerkern hat er größten Respekt. Von seinen eigenen Werken findet er den "Arcus Triplex", den dreifachen Bogen in Dillingen-Pachten besonders gelungen. Die sechseinhalb Meter lange Plastik setzt sich aus zwei dynamisch geschwungenen Stahlträgern, die einen Bogen bilden, und zwei weiteren, kleinen Bögen zusammen. Sie symbolisieren die Beziehung zwischen der Stadt und ihrem ältesten Stadtteil sowie die Verbindung zwischen Vergangenheit und Moderne.

Doch Meßner versucht nie, an besonders gelungene Werke anzuknüpfen - Wiederholung ist eben höllisch ungut. Seit seinem Studium an der Berliner Kunsthochschule Anfang der 50er Jahre ist seine Handschrift in seinen Werken stets erkennbar, aber immer im Wandel: "Man reift, wird sicherer und vielfältiger. Man erobert sich immer wieder Unbekanntes neu hinzu."