Russische Verhältnisse – nur mit Humor zu ertragen

Russische Verhältnisse – nur mit Humor zu ertragen

Am Freitagabend las Russlands berühmter Putin-Kritiker Viktor Schenderowitsch in Saarbrücken. Mit seinem satirischen Rundumschlag hatte er die Lacher auf seiner Seite und wurde für seine offene Kritik reichlich beklatscht.

Zuletzt sorgte Viktor Schenderowitsch im Februar 2014 für einen Rieseneklat in Russland. Damals verglich er die Olympischen Winterspiele in Sotschi mit den Olympischen Spielen 1936 in Nazi-Deutschland. Die Strafe des Kremls folgte auf den Fuß: Auf allen staatlichen TV-Sendern flimmerte sein Foto mit einer diffamierenden Bildunterschrift über den Bildschirm, die ihn als Verräter und Arschloch verunglimpfte. Nicht zum ersten Mal wurde der jüdischstämmige Schenderowitsch so zum Angriffsziel der herrschenden Nomenklatura, wie er am Freitagabend den rund 50 russischstämmigen Besuchern im Theater im Viertel auf Russisch augenzwinkernd versicherte.

Als er Mitte der 80er Jahre mit seiner Erzählung "Ratte" als Autor reüssieren wollte, fand der junge Schauspieler weder einen Verleger noch eine Zeitung, die seine Geschichte drucken wollte. Zu offensichtlich war die Kritik an der Kommunistischen Partei und den herrschenden Verhältnissen. So kam es, dass die "Ratte" erst 16 Jahre später unter dem Titel "Opossum" eines honduranischen Autoren namens Julio erschien, erzählt Schenderowitsch seinen exilierten Landsleuten, worüber diese herzlich lachen. In der Zwischenzeit war der 1958 in Moskau geborene Tausendsassa bereits zum gefeierten Schriftsteller und Satiriker aufgestiegen. Bekannt wurde er vor allem durch seine politische TV-Puppenshow "Kukli", in der er natürlich auch Wladimir Putin als Puppe mit spitzer Nase und blassen Augen - mal im Tarnanzug und mal oberkörperfrei - tanzen ließ. Doch ein Jahr nach Putins Machtantritt war damit Schluss und Schenderowitsch musste sich wie so viele seiner kritisch gesinnten Kollegen nach einem neuen Sender umschauen. Heute verdient "Russlands schärfster Kritiker" (Deutschlandradio Kultur) seinen Unterhalt mit Auftritten im Ausland, wo er die exilierten Landsleute mit seinen satirischen Spitzen auf die russischen Verhältnisse unterhält.

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