Bloß kein Beifall von der falschen Seite

Bloß kein Beifall von der falschen Seite

Zigarre, getönte Brille, eine etwas eng sitzende Bundeswehruniform und ein rotes Barrett auf dem Kopf - so steht der Komiker Holger Müller als "Ausbilder Schmidt" auf der Bühne. Alles Pazifistische ist ihm fremd, Nicht-Militärs bezeichnet er prinzipiell als "Luschen". Witze brüllt der Ausbilder im Befehlston ins Publikum, das sich offensichtlich gerne von ihm maßregeln lässt: 140 Zuschauer waren am Freitag in die Stummsche Reithalle in Neunkirchen gekommen für den politisch inkorrekten Blödsinn des Idar-Obersteiners. Einen Glatzenträger im Publikum lobte er ("sehr guter Haarschnitt"), einem Kind schenkte er fünf Euro, damit es sich Kriegsspielzeug kaufen könne. Selten passte der Begriff des Abfeuerns von Witzen so gut. In früheren Programmen hatte Müller aber noch viel stärker vom Leder gezogen. Fast schien es, als sei ihm viel daran gelegen, dass man ihn nicht mit seiner Figur verwechselt, so als fürchte er sich vor Beifall von der falschen Seite.

Wenn Müller den Ausbilder mal kurz ablegte und Prominente imitierte, war das nur bedingt komisch: So hätte er gerade in Erich Honeckers Heimatort wissen sollen, dass dieser kein Sächsisch, sondern Saarländisch gesprochen hat. Als Herbert Grönemeyer muss er ebenfalls noch üben. Gegen Ende schlüpfte Müller, der in Köln wohnt und in Ostfriesland ein Theater betreibt, ganz aus der Rolle des Ausbilders und gab ein paar Anekdoten von sich: So habe Stefan Raab ihm gesagt, er sei ja in echt genau das Feindbild des Ausbilders.