Zwei Monster und ein Saarländer am Bass

Zwei Monster und ein Saarländer am Bass

Wer vom Michael Sagmeister Trio spricht, muss wissen, dass damit hauptsächlich die Zusammenarbeit zwischen dem namensgebenden Gitarristen und seinem Schlagzeuger Michael Küttner gemeint ist. Letzterer spielte nämlich eine ebenso tragende Rolle beim Konzert in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen wie Sagmeister selbst. Seit 36 Jahren musizieren die beiden schon zusammen - da war es für Lokalmatador Stefan Engelmann am Bass schwer bis unmöglich, genauso viel Platz einzunehmen wie die beiden Schwergewichte im deutschen Jazz. Es wäre auch des Guten zuviel gewesen, hätte der saarländische Bassist versucht, möglichst viel in seine Begleitfunktion zu packen: Küttners Schlagzeugspiel war nämlich schon immer nahe dran am Solistischen. Gerade im ersten Teil des Abends steckte der 62-Jährige so viel Energie ins Trommeln, dass Sagmeister ironisch fragte, welche Drogen er denn wohl vor den Auftritten nehme. Der Gitarrist selbst zeigte zumindest nach außen hin weniger Temperament; gleichwohl spielte er sehr melodisch und unglaublich temporeich zugleich - etwas, das nur wenige zustande bringen.

Er wäre lieber Saxofonist geworden, erzählte Sagmeister im Gespräch hinterher und nannte John Coltrane als eines seiner Vorbilder. Dennoch schöpfte er die Möglichkeiten der Gitarre auch im akkordischen Spiel voll aus - Saxofonisten ist das nicht vergönnt. Küttner wiederum brachte es fertig, ein ausgiebiges und dennoch interessantes Schlagzeugsolo zu spielen. Wohl auch deswegen, weil er dazu brasilianisch klingende Silben sang. Aber leider nur 70 Zuhörer erlebten die "zwei Monster" (Sagmeister) und den angenehm unaufgeregten Saarländer.

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