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Losheim: Klassik am See mit Überraschungen

Losheim : Klassik am See mit Überraschungen

Rund 5000 Musikfans zog es am Samstag nach Losheim. Bei Kaiserwetter und einem milden Abendlüftchen ging es bei dem Konzert mit der Deutschen Radiophilharmonie auf eine musikalische Reise in den Osten Europas.

Über „The same procedure as every year“ konnte man sich bei „SR Klassik am See“ am Samstag im Losheimer Strandbad freuen. Es war wie meist: Kaiserwetter, milde  Abendluft, alle Sitzplätze besetzt, dicht gedrängt die Besucher auf der Liegewiese, ausgestattet mit Campingmöbeln, Kerzenleuchtern, kulinarischen Köstlichkeiten und gekühlten Getränken aller Art. Auf der Bühne, wie immer, die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) in bester Spiellaune. Gute Voraussetzungen also für eine, so hieß das Konzert-Motto, musikalische Reise „In die Tiefe der Herzen“. Mit Klängen aus der osteuropäischen Musik-Landschaft, interpretiert von  Sängern dieser Provenienz und der ukrainischen Dirigentin und derzeitigen Chefdirigentin der Grazer Oper, Oksana Lyniv, die diese Musik wohl schon mit der Muttermilch aufgesogen hat. Musik, die ohne die Einflüsse der westlichen Musiktradition wohl kaum denkbar wäre, die sich aber doch vor allem durch ihre Rhythmik und die folkloristischen Einflüsse von der Entwicklung im Westen abgekoppelt hat – und auch eigene, originäre Wege gegangen ist.

Für den Co-Veranstalter, den Saarländischen Rundfunk, bedankte sich SR-Intendant Thomas Kleist für 22 Jahre gute Zusammenarbeit mit dem Veranstalter „Musik & Theater Saar“, den Joachim Arnold repräsentierte. Der spielte sich mit Moderator Roland Kunz (SR) humorvoll, aber auch  tiefgründig verbale Bälle zu, gab erhellende, interessante  Informationen zur Musik und den Interpreten. Das war auch wirklich nötig, denn nur wenig Bekanntes war im Programm vertreten. Das Potpourri war vorwiegend aus Stücken zusammengestellt, die, wenn auch meist von vertrauten Komponisten, bei uns im Westen jedoch unbekannt sind. Ein aufschlussreicher Blick in eine Musik-Landschaft, die sich uns, auch aus politischen Gründen, nicht so ohne Weiteres erschließt.

Mit Antonín Dvoráks „Karneval“-Ouvertüre ging es schwungvoll in einen musikalischen Abend voller Überraschungen. Eine davon war  Countertenor Viktor Andriichenko, der mit unglaublich weicher und eleganter, in allen Lagen ausgewogener und substanzvoller Stimme zwei Lieder aus Nikolai Rimskij-Korsakows Oper „Schneeflöckchen“ und eine Arie aus „Alcide“ des Ukrainers und Mozart-Zeitgenossen Dimitri Stepanowitsch Bortujansky gestaltete. Mit fülligem, dramatischem Sopran brillierte Aurelia Florian in Arien von Stanislav Moniuszko und Bedrich Smetana. Das berühmte, zauberhaft instrumentierte „Lied an den Mond“ aus Dvoráks „Rusalka“ gelang ihr mit inniger Leidenschaft und schmerzlicher Klage – wenn auch ein wenig wuchtig und vordergründig.

Mykhailo Malafii setzte seinen strahlenden Tenor mit stupender Italianitá kraftvoll für Arien aus Moniuszkos „Halka“ und Dvoráks „Rusalka“ ein und betörte mit einer glutvollen Romanze aus Sergei Rachmaninows „Aleko“. Ungemein beweglich und sauber perlend gestaltete Sopranistin Katharina Melnikova ihre Koloraturen aus Rimskij-Korsakows „Schneeflöckchen“ und „Der goldene Hahn“ sowie Smetanas „Der Kuss“.

Dirigentin Oksana Lyniv führte mit viel kapellmeisterlichem Geschick die DRP durch die diffizilen Begleitungen und zeigte in den eingestreuten Orchesterstücken slawisches Profil. Tänze aus Opern von Peter Iljitsch Tschaikowski und Boris Lyatoshynsky forderten das Orchester rhythmisch und dynamisch. Ukrainischer Stolz und viel Pathos flutete aus der Ouvertüre zu „Taras Bulba“ des ukrainischen Nationalkomponisten Mykola Lysenko.

Die Sopranistin Katharina Melnikova am Nachmittag des Konzerts. Foto: Ruppenthal

Das alles übertrug eine engagierte Beschallungs-Technik so auch an die Zuhörer weiter, wenn auch mit der kleinen Einschränkung, dass die Balance zwischen den Instrumental-Gruppen nicht immer optimal gelang. Das begeisterte Publikum durfte vor dem finalen Brillant-Feuerwerk auf Zugaben hoffen, natürlich bekannte musikalische Reißer: Mikhail Glinkas Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla“ und Aram Chatschaturjans „Säbeltanz“ aus dem Ballett „Gayaneh“. Ein prachtvoller, fetziger Abschluss.