Herbert Grönemeyer in der Mannheimer SAP Arena

SAP Arena : Tanzen, Schwitzen, Bademantel – Herbert Grönemeyer in Mannheim

Respekteinflößende drei Stunden bringt der 62-Jährige am Donnerstagabend auf die Bühne – und er braucht zu Beginn noch keine fünf Sekunden, um die SAP-Arena zum Beben zu bringen.

Was für eine Energie Herbert Grönemeyer, der Deutschrock-Grandseigneur, noch immer besitzt, zeigt sich im Duett mit BRKN. Der 28-jährige Rapper singt mit Grönemeyer „Doppelherz“ – und verblasst in Sachen Aus­strahlung und Beweglichkeit deutlich.

Das teils auf Türkisch gesungene Lied steht auch für die Zeitlosigkeit und musikalische Bandbreite, die der Meister der verdrehenden Wortspiele seit rund 40 Jahren beherrscht. Hier sind es eben orientalische Klänge, die er mit einfließen lässt. Der Grönemeyersche Kosmos umfasst aber weit mehr: Synthiepop bei „Kopf hoch, tanzen“, eine als Jazz arrangierte Version von „Flugzeuge im Bauch“, schleichenden Rumba in „Der Held“, das am Hardrock kratzende „Vollmond“, das große Drama „Ein Stück vom Himmel“, frecher Pop in seinem Klassiker „Männer“. Es scheint kaum einen Einfluss zu geben, dem er sich verwehrt. Gesellschaftliche Stellung bezieht Grönemeyer durch seine politischen Aussagen: „Keinen Millimeter nach rechts“ heißt es etwa in „Fall der Fälle“ aus seinem aktuellen Album „Tumult“.

Außer bei den Balladen tanzt Grönemeyer ekstatisch über die Bühne, gibt jedem der 15 000 Besucher das Gefühl, dass er nur für ihn spielt. Er bedankt sich, winkt, animiert und macht seine Späßchen. Sogar der magische Moment, an dem er die „Oh wie ist das schön“-Gesänge des Publikums aufgreift und am Keyboard weiterspielt, wirkt, als wäre er spontan – auch wenn dieser Moment fast schon Tradition bei der Tour ist.

Der vielleicht lässigste Moment findet  sogar nach dem Konzert mit seinen drei langen Zugabe-Blöcken statt. Der durchgeschwitzte Herbert kommt – völlig unprätentiös –  im labbrigen Bademantel an den Bühnenrand und feiert mit den Fans noch einige Minuten. 

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