Kappensitzung : Oberthaler Narren leben für den Moment

Carneval-Verein brennt in dieser Session zwei Mal vor ausverkaufter Bliestalhalle ein Feuerwerk der Lebensfreude ab.

Unter der Leitung von Sitzungspräsident Manuel Setz eröffnete der Einmarsch des Hofstaates traditionsgemäß die große Gala-Prunksitzung des Oberthaler Carneval-Vereins (OCV). „Heute leben wir für den einen Moment, in dem die Freude keine Grenzen mehr kennt“, versprach der Präsident den 600 Gästen in der in dieser Session schon zum zweiten Mal ausverkauften Bliestalhalle. Und damit die gute Laune auch erhalten blieb, lagen überall auf den Tischen Schilder mit der Aufschrift „Durst“ herum. Hielt man sie hoch, so wusste die Bedienung sofort, dass da ein Bedürfnis bestand und schon wurde für flüssigen Nachschub gesorgt.

Der OCV-Aktivengarde unter der Leitung von Ann-Carina Just und Franzi Ruschel fiel die Aufgabe anheim, in dem herrlich geschmückten Saal für Fasenachtsstimmung zu sorgen. Die Funken ließen die Beine nur so fliegen und so verlangten die Gäste eine Zugabe.

Klaus Schank durfte dann das humoristische Eis brechen. In den OCV-News nahm er Aktuelles auf die närrische Schippe: „Washington. Wie die Redaktion der OCV-News aus sicherer Quelle erfahren hat, hat es gestern im Weißen Haus gebrannt. Die Privatbibliothek von Donald Trump wurde dabei komplett zerstört. Beide Bücher verbrannten“, lautete die erste Meldung. „Das Schlimme daran ist, Donald Trump hat das zweite Buch erst zur Hälfte ausgemalt“. Von der großen weiten Welt ging es zu den Lokal-Meldungen. „St. Wendel. Wie Oberbürgermeister Klär mitteilte, bleibt das Rathaus für die nächste zwei Wochen geschlossen. Das gesamte Team trainiert für die Weltmeisterschaft im Beamtentriathlon: Knicken, Lochen, Abheften“, nahm er die Kommunalverwaltung auf die Schippe. Außerdem habe Landrat Udo Recktenwald den Gebrauch von Papiertaschentüchern verboten. Es stehe ja schließlich „Tempo“ drauf. Dass der Sitzungspräsident des OCV, Manuel Setz, seine mit zwei gebrochenen Beinen im Krankenhaus liegende Schwiegermutter mit dem Musikwunsch grüßte „So soll es sein – so soll es bleiben“, dürfte aber wohl eine Falschmeldung gewesen sein.

Mit einer hochkarätigen Gesangsnummer riss danach Timo Backes die Narrenschar von den Stühlen. Wer sich da nicht auf die Partymeile von Mallorca versetzt fühlte, der hatte wohl Tomaten auf den Augen und Petersiliensträußchen in den Ohren. Das war Musikgenuss vom Feinsten, das war Stimmung pur.

Dass beim OCV auch der Nachwuchs eine Chance hat, zeigte Mathias Schmitt als Urlauber. Zu der Melodie vom Traumschiff zog er seinen Koffer auf die Bühne. „Wenn ihr vorhann e Welträs ze mache, machet et net. Fahre liewer woannerschd hin“, gab er dem Publikum gleich zu Anfang einen guten Rat. So wollte er in Spanien Wellen reiten. „Mensch hott ich e Huddel, bis ich dat Päärd em Wasser hot“. In Italien sprach die „kromboggelisch Verwandschaft“: „Matthias, guck emol, wie die Welle sich küsse. Jo – ich siehn aach, wie se am Ufer breche“. So ging es rund um die Welt und das Publikum dankte mit kräftigem Applaus.

Danach begeisterte die OCV-Juniorgarde mit ihrem Emoticon-Tanz das Publikum.  Nach so viel Jugend kam Sylvia Dewes in Ihrem Vortrag zu der Erkenntnis: „Alter schützt vor Torheit nicht, so ein altes Sprichwort spricht. Und bei Männern so ab 60, ist das ganz besonders richtig“, resümierte sie. „Denn ist er über 60 alt, hat ihn die Krise eingeholt. Den Torschluss hat der Supermuffti, er ist von jetzt an ein Spitzengrufti“. Und weiter: „Vielleicht zwei auf einmal zum Vernasche, der Macho, diese Superflasche. Obwohl sie ganz genau noch wissen, bei uns sind sie schon aufgeschmissen“.

Die Jugendschautanzgruppe machte es dem Publikum danach leicht, sich bei flotten Tänzen in der Schule zu entspannen. Sitzungspräsident Manuel Setz griff dabei selbst zum Mikrofon und das Ganze gipfelte in einem mitreißenden Flashmob.

Nach der Pause ging es mit dem neuen Sitzungspräsidenten, Ehrenpräsident Herbert Lengert, mit der Gruppe Fröhlich in die Muppet-Show. „Jetzt tanzen alle Puppen und nicht nur die“ lautete das Motto. Ein humoristischer Höhepunkt waren Christa und Michael Schmitt als Erna und Alfriede. Die OCV-Aktivenschautanzgruppe entführte die Gäste danach tänzerisch in einen uramerikanischen Diner der 50er- und 60er-Jahre. Nicht nur der „Candy Man“ sorgte so für Furore. Nathaly Baltes-Plein und Heiko Schu durften danach als Pénélopé und Sven wieder zu Kindern werden und das Publikum altklug begeistern.

Besonders für die weiblichen Gäste des Abends dürfte sicherlich der Auftritt des Männerballetts ein Höhepunkt gewesen sein. Die ließen die Affenkostüme fallen und präsentierten sich als Tarzane im Lendenschurz. Da war das Gekreische groß. Vor dem großen OCV-Finale brachte der OCV-Night-Club mit Musik von Mickie Krause und Tim Toupet, dargeboten von Timo Backes und Heiko Schu die Partystimmung fast schon zum explodieren, bevor das gemischte OCV-Ballett unter der Leitung von Elisa Kron tänzerisch den Anker des Narrenschiffes lichtete.