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Schumann mit Tempo und Geschmeidigkeit

In ihrer kammersinfonischen Besetzung kommt die Cappella Aquileia dem Leipziger Gewandhausorchester jener Zeit nahe, als Felix Mendelssohn-Bartholdy dort die Sinfonien Robert Schumanns uraufführte. Mit dem schlanken Festivalorchester (Hier gibt's nur acht erste Violinen!) treibt der Dirigent und Gründer Marcus Bosch, vor vielen Jahren Kapellmeister am Saarländischen Staatsorchester und heute Generalmusikdirektor in Nürnberg, nun jene strenge Vor-Brahms'sche-Aura aus, mit der viele "traditionelle" Schumann-Interpretationen aufwarten. Keine lastende Dramatik und Opulenz, vielmehr setzt Bosch bei den Sinfonien 2 und 4 auf Geschmeidigkeit und flinkes Tempo. Bei langsamen Sätzen wie dem Adagio espressivo der Zweiten mag manch einer im Bläser-orientierten Bild die gewohnte meditative Entrücktheit vermissen, dafür punkten Bosch und seine Cappella mit beredter Kantabiliät. Auch wenn die Vorgabe "Presto" wörtlich genommen wird, mangelt es nicht an Detailgestaltung. Boschs unverbraucht-pointierte Sicht ist mehr als nur diskutabel und sollte vielen Schumann-Kennern zusagen. Stefan Uhrmacher

Schumann-Sinfonien 4 und 2, Marcus Bosch dirigiert Cappella Aquileia (Coviello).