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Journalisten-Ikone Troller zu Gast in Saarbrücken

Saarbrücken. Man solle kurz die Augen schließen, lud Rudolf Warnking das Publikum im Haus der Union-Stiftung in Saarbrücken ein. Um eine Stimme zu hören, die verkörpert, was den Abend vor dem 50. Jahrestag des zwischen Deutschland und Frankreich am 22

Saarbrücken. Man solle kurz die Augen schließen, lud Rudolf Warnking das Publikum im Haus der Union-Stiftung in Saarbrücken ein. Um eine Stimme zu hören, die verkörpert, was den Abend vor dem 50. Jahrestag des zwischen Deutschland und Frankreich am 22. Januar 1963 geschlossenen Elysée-Vertrages bestimmen sollte: Die Erinnerung an Paris und an eine Zeit, von der jeder, ob erlebt oder erträumt, Bilder in sich trägt.Georg Stefan Troller hat sie genährt in seinen unzähligen Reportagen und Interviews, darunter das legendäre "Pariser Journal", in dem er von 1962 bis 1971 in 50 Folgen für den WDR berichtet hat, oder später dann die "Personenbeschreibung" als ZDF-Sonderkorrespondent in Paris. Es kommen Sätze wie Regieanweisungen für das Drehbuch eines Lebens, aus dem Troller als Regisseur seine Bilder aus der Erinnerung herauf befiehlt. Damit er besser lesen kann, setzt sich der 92-Jährige eine schwarze Augenklappe auf. Seine verlorene Welt hat Troller in seiner vor einem Vierteljahrhundert verfilmten Lebensgeschichte "Wohin und Zurück" zurückerobert, mit allen Freuden und einem Schmerz, der immer noch aus den aus den Drehbüchern gelesenen Zeilen spricht. Es geht um eine Szene in New York über die Deportation und den Mord an der Mutter einer Freundin. "Ich will das nicht vorlesen", bricht er ab - um in die Nachkriegsjahre im fremd gewordenen Wien, seiner Geburtsstadt, zu wechseln.



"Alles authentisch, Kinder", bemerkt er, und führt sein Publikum dann nach Paris. Dort fühle er sich lebendig. Denn "Paris, die Stadt, die vergisst" scheint gerade recht für Troller, der seit 1949 dort lebt, in seinen Filmen und Texten ihr Gedächtnis ist. Doch ein erfahrener Regisseur der Lebensgeschichten, der eigenen wie der fremden, weiß, wie der Gang durchs eigene Leben und Werk zu enden hat: lakonisch, komisch und ironisch, mit einem Stich ins Surreale, um die von Gefühlen durchsetzte Erinnerung zu bändigen. Das Publikum dankte ihm mit langem Applaus.sg