Ein Louvre an der Spree?

Ein Louvre an der Spree?

Berlin. Wer durch die alte Berliner Nationalgalerie geht, dem wird es nicht entgehen, dass der Teppichboden sich geradezu auflöst und es mehr befleckte als fleckenfreie Flächen gibt. Egal ob innen oder außen: Es ist alles nicht mehr, was es einmal war, auch wenn der Mies van der Rohe-Bau so zeitlos ist, dass er eigentlich nicht altern kann

Berlin. Wer durch die alte Berliner Nationalgalerie geht, dem wird es nicht entgehen, dass der Teppichboden sich geradezu auflöst und es mehr befleckte als fleckenfreie Flächen gibt. Egal ob innen oder außen: Es ist alles nicht mehr, was es einmal war, auch wenn der Mies van der Rohe-Bau so zeitlos ist, dass er eigentlich nicht altern kann.Die Touristen, die täglich zahlreich nach Berlin strömen, scheinen sich an derlei Details nicht zu stören; aber im internationalen Vergleich beginnt Berlin hinterher zu hinken und das gleich auf mehreren Ebenen. Es gibt hier kein wirkliches repräsentatives Ausstellungshaus für die Kunst der Alten Meister. Diese sind derzeit an zwei weit voneinander entfernten Orten vertreten: die Skulpturen von Donatello bis Riemenschneider im Bode-Museum auf der Museumsinsel, die Werke von Cranach bis Rembrandt in der Gemäldegalerie in Nähe des Potsdamer Platzes. Gerade die äußerst erfolgreiche Ausstellung "Gesichter der Renaissance" hat gezeigt, wie wirkungsvoll sich Kunst inszenieren lässt, wenn der Blick über den Tellerrand gewagt wird. Der Andrang von rund 250 000 Besuchern hat 2011 bewiesen, dass das, was zusammengehört, nicht in kilometerweiter Entfernung voneinander gezeigt werden sollte. Das Bode-Museum kann langfristig ohne die Malerei der Gotik, der Renaissance, des Barocks und des Rokokos kein umfassendes Bild der Epoche aufzeigen.

Ebenfalls vernachlässigt wird die zeitgenössische Kunst, die zwar dem Namen nach im Hamburger Bahnhof untergebracht ist, aber mit Künstlern wie Joseph Beuys und Anselm Kiefer heute nicht mehr wirklich zeitgenössisch ist.

Die Lösung aller Probleme? Das wäre - laut des "Masterplans" der Stiftung Preußischer Kulturbesitz - eine Rochade der Ausstellungshäuser und würde so aussehen: Die Alten Meister werden zukünftig im Bode-Museum und in einem benachbarten Erweiterungsbau gezeigt, der eine fast doppelt so große Ausstellungsfläche hätte. Was die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe betrifft, so ist sie zu klein für die Präsentation der ständigen Sammlung. Daher müsste sie in das durch den Umzug der Gemäldegalerie frei werdende Gebäude am Kulturforum einziehen. Gemeinsam mit der nach dem Bildersturm der Nationalsozialisten wieder entstandenen Sammlung mit Meisterwerken von Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Barnett Newman, Sigmar Polke und Gerhard Richter, die derzeit noch im Depot lagern, könnte zudem die Pietzsch-Sammlung surrealistischer Kunst gleich mitintegriert werden. Letztere Sammlung darf nur dauerhaft gezeigt werden.

Somit erhielten die Bestände der Kunst des 20. Jahrhunderts endlich einen ihrer Bedeutung angemessenen Ort. Für die Umsetzung des ersten Schritts dieses Masterplans hat am 12. Juni 2012 der Haushaltsausschuss einen Nachtragshaushalt von zehn Millionen Euro bereitgestellt. In einer Sitzung des Preußischen Kulturbesitz-Stiftungsrates im Herbst dieses Jahres soll dann die Gesamtplanung aller Investitionsvorhaben der Stiftung zur Entscheidung vorgelegt werden. Solange muss eine Interimslösung gefunden werden und die wird wohl so aussehen: Man zeigt, bis der Erweiterungsbau fertig ist, eine komprimierte Ausstellung von Gemälden und Skulpturen im Bode-Museum. Es wäre ein harmonisches Gesamtbild.

museumsinsel-berlin.de

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