„Ein langer und steiniger Weg“

„Ein langer und steiniger Weg“

Die Chancen von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt schätzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag als gering ein. Das Hauptproblem: Nur wenige Neuankömmlinge bringen gute Qualifikationen mit.

Mit einem Aktionsprogramm will der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Flüchtlingen die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern. DIHK-Chef Eric Schweitzer dämpfte aber Erwartungen auf schnelle Erfolge: Vom Asylantrag bis zum versicherungspflichtigen Job könne es im Schnitt "sieben bis zehn Jahre" dauern, prophezeite er.

Rund eine Million Flüchtlinge werden dieses Jahr in Deutschland erwartet. Bei bis zu 600 000 von ihnen ist mit einer Bleibeperspektive zu rechnen. Und davon wiederum könnte etwa die Hälfte längerfristig eine Beschäftigung finden. Über die Qualifikation der Neuankömmlinge gibt es aber wenig gesicherte Erkenntnisse. Und die sind ernüchternd. Der oft zitierte Arzt aus Syrien sei eher die Ausnahme, erläuterte Schweitzer. Allenfalls zehn Prozent der Neuankömmlinge zählten zu den Hochqualifizierten. Daher lasse sich mit den Asylbewerbern auch nicht das Fachkräfteproblem lösen.

Und selbst ein höherer Bildungsabschluss ist offenbar kein Garant, um am deutschen Arbeitsmarkt zu bestehen. Beim DIHK geht man davon aus, dass ein syrisches Abitur ungefähr dem Standard eines deutschen Hauptschulabschlusses entspricht. Am Ende müsse daher "fast jeder in einer bestimmten Form qualifiziert werden", sagte Schweitzer. Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen des Münchener Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik. Auch mit Deutschkenntnissen würden viele Syrer dem Schulunterricht wohl nicht folgen können, erklärte der Leiter des Instituts, Ludger Wößmann.

In den Unternehmen selbst macht man sich ohnehin keine Illusionen. Nach einer kürzlich veröffentlichten Ifo-Umfrage können sich zwar fast 60 Prozent der Firmen vorstellen, einen Flüchtling zu beschäftigen. Aber 41 Prozent sagen, höchstens als Hilfsarbeiter. Das mangelnde Qualifikationsniveau wird von 71 Prozent der Betriebe als großes Beschäftigungshindernis eingestuft.

Der DIHK hat deshalb ein Programm mit einem Finanzvolumen von 20 Millionen Euro gestartet. Im Kern geht es um den Aufbau eines flächendeckenden Beratungs- und Unterstützungsangebots für Betriebe zur beruflichen Orientierung junger Flüchtlinge . In den einzelnen regionalen Kammern soll es dafür insgesamt 170 hauptamtliche Ansprechpartner geben, die sich zum Beispiel um Berufspraktika oder die Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildung kümmern. Schweitzer sieht die Politik in der Pflicht. So solle auf die sogenannte Vorrangprüfung verzichtet werden, nach der die Arbeitsagentur zunächst prüfen muss, ob die Stelle auch von einem Deutschen oder EU-Ausländer besetzt werden kann. Außerdem sollten Flüchtlinge während der Ausbildung und zwei Jahre danach nicht abgeschoben werden dürfen. Derzeit wird die Aufenthaltsgenehmigung zunächst nur für ein Jahr erteilt und bei Bedarf verlängert.

Wie viele Flüchtlinge durch solche Maßnahmen in Lohn und Brot kommen könnten, ließ Schweitzer offen. Nur so viel: "Der Weg der Integration ist ein sehr langer und steiniger."