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Die Saar hinab mit Tusche und Bleistift

Dudweiler. Als saarländischer Heimatschriftsteller ist Karl Conrath (1910-1992) in Erinnerung geblieben. Dass er auch ein exzellenter Zeichner war, zeigt nun eine Ausstellung, die heute in Dudweiler eröffnet wird. Johannes Kloth

Über dem roten Kasten-Logo der Sparkasse Saarbrücken erhebt sich ein filigranes Naturpanorama in Tusche. Wenn's mal schnell gehen musste, reichte Karl Conrath eine Serviette, ein Bierdeckel oder der Briefumschlag des örtlichen Geldhauses, um seine Eindrücke aufs Papier zu bringen. Eindrücke, die Städte, Wälder, Flüsse und Menschen bei ihm hinterließen. Folgt man der Schau "Karl Conrath. Das zeichnerische Werk", die ab heute im Literaturarchiv in Dudweiler einen Einblick in den Nachlass des gebürtigen Mettlachers gibt, waren dies die vier für ihn mit Abstand bedeutsamsten Motive.

Karl Conrath dürfte heute nicht mehr all zu vielen Saarländern ein Begriff sein. Manch einer mag ihn als Autor moselfränkischer Mundartgedichte und regionalgeschichtlich kolorierter Anekdotensammlungen ("So lacht man beim Wein an Mosel und Saar ") in Erinnerung behalten haben. Dies aber spiegelt nur eine Facette im Schaffen des vielseitig Gebildeten und Talentierten wider.

1910 geboren, absolvierte Conrath in Saarbrücken eine Ausbildung zum Schriftsetzer, bevor er unter anderem Französisch und Kunstgeschichte studierte und 1937 über "Deutschland im Spottbild der Pariser Nachkriegspresse" promovierte. Nach dem Krieg arbeitete er als Redakteur, schrieb Feuilletons und rezensierte klassische Konzerte, bevor er schließlich als Referent ins saarländische Bildungsministerium wechselte. 1992 starb er in Saarbrücken.

Sein gesamtes Leben über zeichnete Conrath. Dabei macht die Ausstellung deutlich: Einen Sinn für Hintersinnig-Bissiges wie seine Zeitgenossen Roland Stigulinszky und Bob Strauch hatte Conrath nicht. Er war kein politischer Karikaturist, wenngleich er das zeichnerische Talent dazu gehabt hätte. Wunderbar seine Charakterköpfe: Wilhelm Furtwängler mit zwei, drei Strichen auf den Haarkranz am Hinterkopf reduziert, der schmallippige Walter Gieseking mit ernst-konzentriertem Blick von der Seite, oder der Luxemburger Maler Jean Adam, dessen Vollbart bei Conrath zu einem wilden Gestrüpp aus Tintenstrichen wird.

Auch die Natur-Zeichnungen, allen voran die unzähligen Fluss- und Waldmotive, machen Conraths Talent augenscheinlich: Mit einer Technik der kleinen Striche, zum Teil fast auf Punkt-Größe geschrumpft, lässt er Flussläufe und Bewaldung plastisch werden. Viele Zeichnungen entstanden auf Expeditionstouren. Als leidenschaftlicher Ruderer erkundete Conrath die Heimat am liebsten von Saar und Mosel aus: Hier ein Blick in die Altstadt von Metz, dort in das Baumdickicht am Ringwall oder auf die Burganlage von Mersch. Immer wiederkehrendes Sujet: sein Geburtsort Mettlach. Im Park der Saarschleifen-Gemeinde entstand auch die technisch beeindruckendste Zeichnung: eine alte Eiche, deren knorrige Astverläufe Conrath mit all ihren Schattierung sichtbar macht.

Immer wieder zog es ihn auch ins Ausland - zur Hagia Sophia nach Istanbul etwa oder zum Schloss Pierrefond in die Picardie. Dessen markante Burgzinnen reduziert Conrath auf viele wellenartige Linien - ein genialer Kniff, der das Wesen des Baus auf den Punkt bringt.

"Nicht das Ziel, schon der Weg ist voller Seligkeiten", schrieb Karl Conrath einmal. Er bannte diese Seligkeiten auf Papier. Dank des Literaturarchivs erblicken sie nun das Licht der Öffentlichkeit.



Eröffnung: Heute, 18.30 Uhr, im Literaturarchiv in Dudweiler (Beethovenstr. Zeile 6). Unter anderem spricht die Autorin Edith Braun . Die Schau läuft bis zum 7. Juni. Geöffnet: Mi, 9-12 Uhr und 13-16 Uhr.