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Im Rekordtempo in die Weltklasse

Wolfsburg. Kevin De Bruyne ist derzeit der beste Spieler der Bundesliga und soll den VfL Wolfsburg nun auch in der Europa League weit bringen. Der Belgier hat noch Vertrag bis 2019, aber die großen Clubs sind hinter ihm her. Frank Hellmann

Am Anfang war immer der lästige Vergleich mit Prinz Harry. Kevin De Bruyne hat das nicht gefallen. Aber was sollte der rotblonde Bub mit dem hochroten Kopf denn anders tun, als ihn in Bremen anfänglich die Berichterstatter stets auf die tatsächlich augenfällige Ähnlichkeit ansprachen. Im Sommer 2012 war der Belgier schließlich einer, den nur Insider kannten, und als der SV Werder das Leihgeschäft mit dem FC Chelsea für rund 500 000 Euro vermeldete, war das allenfalls eine Randnotiz wert. Klaus Allofs , damals noch Bremer Vorstandschef, lächelte bald darauf verschmitzt, als bei einem Einladungsturnier in Hamburg zuerst Dortmunds Trainer Jürgen Klopp raunte, bei dem schüchternen Jungen könnte es sich um einen ungeschliffenen Edelstein handeln.

Tatsächlich hat De Bruyne nicht sehr lange gebraucht, um in der Bundesliga für Furore zu sorgen. Rückblickend steht fest, dass Werder Bremen damals wohl abgestiegen wäre, hätte die Leihgabe aus London nicht zehn Tore geschossen, neun Vorlagen gegeben und weit mehr als ein Dutzend überragender Spiele hingelegt. Und obwohl Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund vehementes Interesse an ihm bekundeten, musste er zunächst zurück an die Stamford Bridge.

Die Chance für Allofs - nun für den VfL Wolfsburg tätig - seinen Lieblingsspieler im Winter 2013 ein zweites Mal zu verpflichten. Allofs ist sich längst sicher, dass er seinem Arbeitgeber das wohl beste Renditeobjekt verschafft hat, das derzeit sportlichen Erfolg bei wirtschaftlichem Zugewinn garantiert. Seine Eloge klingt wie ein Ritterschlag: "Es gibt die Torjäger, die genialen Mittelfeldspieler, die eisenharten Innenverteidiger, die starken Torhüter. Aber Kevin ist sehr vielseitig. Das macht ihn zu einem der Besten, die ich in den letzten 14, 15 Jahren betreut habe."

Der 23-Jährige gilt gerade als Primus der Bundesliga. In Sachen Technik und Tempo, Spielverständnis und Übersicht agiert er auf Weltklasseniveau. Wettbewerbsübergreifend stehen 14 Tore und 23 Vorlagen in seiner Bilanz. Beim 3:1-Hinspielsieg gegen Inter Mailand im Europa-League-Achtelfinale schnürte er den wichtigen Doppelpack, und wenn es heute (21.05 Uhr/live bei Kabel 1) im San Siro ums Weiterkommen geht, dann werden die "Wölfe" darauf hoffen, dass ihr Offensiv-Allrounder wieder den Unterschied macht. Er ist nämlich einfach nicht mehr zu fassen.

Erstaunlich, wie der "Killer mit dem Babyface" ("Welt") im Rekordtempo gereift ist. In Bremen trübten schludrige Ballverluste und bisweilen sinnlose Aktionen mitunter das Bild, in Wolfsburg hat er nach einiger Anlaufzeit die herausragende Stellung dadurch gesichert, dass er instinktiv das Richtige macht. Die Kritik, ob die vor mehr als einem Jahr investierten 22 Millionen Euro denn wirklich marktüblich seien, ist längst verstummt. Dafür nehmen andere Debatten Fahrt auf: Wie lange bleibt einer wie De Bruyne, auch wenn der VfL Wolfsburg nächste Saison ziemlich sicher in die Champions League aufsteigt?

"Wir wollen ihn nicht abgeben, und er will nicht gehen", betont Allofs und verweist auf den bis 2019 laufenden Vertrag. Der 58-Jährige arbeitet bereits an einer vorzeitigen Verlängerung, was den 30-fachen belgischen Nationalspieler zum Bestverdiener des Werksvereins machen würde. Auf fünf Millionen Euro soll sich sein Jahressalär bereits belaufen. Doch der VfL besitzt unbeachtet des finanziellen Rückhalts durch den ortsansässigen Autobauer natürliche Grenzen. Dann nämlich, wenn der FC Bayern seine Angel nach dem Alleskönner auswerfen würde.

Mit seiner Dynamik und seinem Tordrang wäre der flämische Vollblutfußballer einer, der auch für die Münchner interessant wäre, wenn dort die Ära der Dribbler Robben und Ribery zu Ende geht. Ob De Bruyne sich in dem harten Konkurrenzkampf an der Säbener Straße zurecht finden würde, ist eine andere Frage. Er braucht nämlich den Laufsteg nicht. Hätte er nicht Anfang Februar beim Bundesligaspiel in Frankfurt einen Balljungen als "Motherfucker" beschimpft, wofür er trotz einer Entschuldigung eine 20 000-Euro-Strafe vom DFB-Sportgericht aufgebrummt bekam, hielten ihn viele für einen braven Jungen, der der Oma den Einkauf nach Hause trägt.