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Computerspiele und Drogen
Angst: Junger Mann tötet Bekannten im Drogenwahn mit einer Schere

Die modellhafte Nachbildung der Justitia neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel.
Die modellhafte Nachbildung der Justitia neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. FOTO: Volker Hartmann / picture alliance / dpa
Saarbrücken. Vier, fünf Tage ohne Schlaf aber mit Drogen und Computerspielen. Dann bekamen die zwei Männer Streit. Und einer stach 38 Mal mit einer Schere zu. Wolfgang Ihl

Nach dem gewaltsamen Tod eines Saarländers muss ein 22 Jahre alter Mann aus Landau auf unbestimmte Zeit in die forensische Psychiatrie. Das hat das Landgericht entschieden.



Der Beschuldigte hat nach Feststellung der Richter im Drogenrausch Anfang Februar 2017 einen 23-Jährigen aus Quierschied-Fischbach in dessen Wohnung mit einer Haushaltsschere umgebracht. Das Opfer erlitt insgesamt 38 Stichverletzungen, davon 17 im Gesicht und 12 an den Händen. Zur Tatzeit stand der Täter offenbar so massiv unter dem Einfluss von Drogen, dass er für sein Tun strafrechtlich nicht verantwortlich war. Er muss deshalb nicht ins Gefängnis, darf aber zum Schutz der Allgemeinheit in die forensische Psychiatrie für gefährliche Straftäter gesperrt werden.

Zum Prozessauftakt hatte der 22-Jährige sich bei den Angehörigen seines Opfers entschuldigt: „Es tut mir unendlich leid, was ich gemacht habe. Ich würde die Zeit gerne zurückdrehen. Aber das geht ja nicht.“ Dann erzählte der junge Mann von seinem bisherigen Leben, von Schule sowie abgebrochenen Berufsausbildungen und meinte: „Ich habe nie was zu Ende gemacht.“ Vor ein/zwei Jahren habe er zum letzten Mal für drei Monate in einer Gartenbaufirma gearbeitet. Aber das sei ihm irgendwie zu viel geworden.



Seitdem verbringe er seine Zeit zu Hause nur an der Konsole mit Computerspielen. Er stehe Tag für Tag irgendwann auf, gehe ins Bad, esse etwas und spiele bis tief in die Nacht. Um fit zu bleiben, konsumiere er Amphetamin. Damit bleibe er länger wach und könne bei den Spielen schneller reagieren. Über das Internet habe er den gleichgesinnten Mann aus Fischbach kennen gelernt. Er habe ihn besucht und gemeinsam hätten sie vier/fünf Tage lang durchgemacht mit Amphetamin, Spielen und Reden. Es habe richtig Spaß gemacht. Dann sei der Fischbacher raus aus dem Haus, um Drogennachschub zu besorgen.

Als er zurückkam, sei die Stimmung total gekippt, so der 22-Jährige. Der bisher so freundliche Gastgeber sei total aggressiv geworden. „Ich habe ihn nicht mehr wiedererkannt.“ Da habe er Angst bekommen, zwei Jagdmesser in der Wohnung mit etwas zugedeckt und nach der Haushaltsschere geschielt, die auf dem Tisch lag. Schließlich habe sich am Boden des Wohnzimmers ein verbissener körperlicher Kampf der jungen Männer um diese Schere entwickelt. Warum, das sei ihm völlig unklar, so der 22-Jährige. Er jedenfalls habe in seinem Gastgeber plötzlich einen großen blonden, gefährlichen Irokesen gesehen. Was der 23-Jährige in ihm gesehen habe, wisse er nicht.

Dann sei da ein großes schwarzes Loch in seinem Kopf. Er habe keinerlei Erinnerung an die eigentliche Tat. Aber dann sehe er sich auf der Treppe vor der Wohnung. Aus Angst vor dem Irokesen habe er sich in einer Mülltonne versteckt und den Deckel zu gemacht. Wie lange er dort gekauert habe, das wisse er nicht. Vielleicht nur Minuten, vielleicht Stunden. Irgendwann habe der Hausmeister ihn entdeckt und aus dem Haus geworfen, so der 22-Jährige. Dann sei er blutverschmiert, in Shorts und ärmellosem T-Shirt wohl auch barfuß durch Fischbach geirrt. In einer Bäckerei sei er zu Boden gesackt und habe gesagt: „Rufen Sie die Polizei, es ist etwas Schlimmes passiert.“