Das Wasser der Ozeane fiel vom Himmel

Kosmos : Die irdischen Ozeane stammen aus dem Weltraum

Forscher der Uni Münster sind überzeugt, dass das Wasser der Erde vor vier Milliarden Jahren aus den Tiefen des Sonnensystems zu uns kam.

Münster (np) Über 4000 sogenannte Exoplaneten, Begleiter fremder Sonnen, haben Astronomen seit Beginn der 1990er Jahre nachgewiesen. Eine zweite Erde war nicht darunter. Das liegt unter anderem daran, dass derart kleine Himmelskörper mit heutiger Technik kaum zu orten sind – aber möglichweise spielt auch eine Rolle, dass sie schlicht und ergreifend selten sind.

In unserem Sonnensystem ist die Erde in jedem Fall einzigartig. Sie besitzt riesige Mengen Wasser und einen großen Mond, der ihre Rotationsachse stabilisiert. Beides ist für die Entstehung des Lebens wichtig gewesen. Und möglicherweise gibt es dafür sogar eine gemeinsame Ursache, erklären Planetologen der Universität Münster. Sie gehen davon aus, dass das Wasser zum selben Zeitpunkt die Erde kam, als sich der Mond bildete – vor etwa 4,4 Milliarden Jahren.

Der Erdtrabant ist nach Ansicht der Mehrheit der Astronomen Überbleibsel des Einschlags eines Himmelskörpers von der Größe des Mars. Die Wissenschaftler aus Münster gehen davon aus, dass dieser Theia genannte Miniplanet aus den äußeren Regionen des Sonnensystems kam und viel Wasser enthielt. Denn nach der astronomischen Theorie müsste die Erde eigentlich staubtrocken sein, da sie nah bei der Sonne entstand. Dort ist Wasser extrem selten. In den eiskalten äußeren Regionen gibt es dagegen bis heute gefrorenes Wasser in großen Mengen. Es ist zum Beispiel in kohlenstoffreichen Meteoriten gespeichert – Astronomen sprechen von kohligen Chondriten.

Wie lässt sich nach über vier Milliarden Jahren die Frage beantworten, ob das Wasser von dort zur Erde kam? Die Wissenschaftler in Münster nutzten dafür das Schwermetall Molybdän. Das kommt sowohl in Meteoriten als auf der Erde vor. Allerdings unterscheiden sich irdische Molybdän-Atomkerne von denen vom Rande des Sonnensystems in der Zusammensetzung der Kernbausteine, Physiker sprechen von unterschiedlichen Isotopen.

Das lässt sich präzise messen und so die Herkunft der Atome bestimmen, erklärt Gerrit Budde vom Institut für Planetologie der Hochschule.

Die Messungen zeigten, dass ein Teil des heute auf der Erde gefundenen Molybdäns vom Rand des Sonnensystems stammen müsse. Der größte Teil des ursprünglichen, irdischen Molybdäns steckt unzugänglich tief im Erdkern. Die Wissenschaftler aus Münster sind überzeugt, dass ein Großteil des Molybdäns, das heute im oberen Erdmantel gefunden wird, vom Protoplaneten Theia stammt, dessen Kollision mit der Erde vor 4,4 Milliarden Jahren zur Entstehung des Mondes geführt hat. Außerdem könnte dieser Himmelskörper viel Wasser mitgebracht haben, erklärt Gerrit Budde. Wasser mache heute ein zehntel Prozent der Erdmasse aus. Ohne den Einschlag vor über vier Milliarden Jahren wäre die Erde heute ein Wüstenplanet mit nur einem Bruchteil dieser Wassermenge.

Mehr von Saarbrücker Zeitung