So machen soziale Netzwerke abhängig

Internet : So kann Stress zur Facebook-Sucht führen

Psychologen der Ruhr-Uni Bochum untersuchten Reaktionen der Nutzer sozialer Netzwerke.

(np) Freundschaften sind wichtig. Sie lassen Menschen zum Beispiel Stress leichter ertragen. Doch welche Bedeutung haben Freunde in sozialen Netzwerken? Dieser Frage sind Psychologen der Uni Bochum nachgegangen. Sie kommen zu einem zwiespältigen Ergebnis. Facebook-Freunde könnten in Stressphasen eine Hilfe sein. Doch nur dann, wenn der Nutzer eines sozialen Netzwerkes auch in der wirklichen Welt Unterstützung finde. Bleibe die aus, bestehe die Gefahr, dass der gestresste Nutzer eine pathologische Bindung an das soziale Netzwerk entwickele – die Wissenschaftler des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit sprechen „von einer Art Facebooksucht“.

Die Psychologen um Dr. Julia Brailovskaia werteten Ergebnisse eines Online-Fragebogens aus, den 309 Mitglieder des sozialen Netzwerks ausgefüllt hatten. Sie waren zwischen 18 und 56 Jahre alt. Der größte Teil der Teilnehmer seien Studenten gewesen, die aus vielen Gründen gestresst seien. Die Bochumer Psychologen kommen zum Ergebnis, dass Stress den Trend zur Facebooksucht verstärke. Die Betroffenen verbrächten immer mehr Zeit online, beschäftigten sich in Gedanken ständig mit dem Netzwerk und fühlten sich unwohl, wenn sie nicht online seien.

Die Unterstützung durch den persönlichen Kontakt zu Freunden und der Familie mildere diesen Effekt. „Menschen, die offline nur wenig Unterstützung erhalten, haben das höchste Risiko, eine Art Facebooksucht zu entwickeln“, fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen.

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