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Tränenverhangener Blick nach vorne

Tränenverhangener Blick nach vorne

Es war ein emotionaler Abschluss einer Saison, die mit einer Enttäuschung endete. Nach zwei Niederlagen in der Relegation gegen 1899 Hoffenheim bleibt der 1. FC Kaiserslautern in der 2. Bundesliga – und muss nun rasch eine Mannschaft formen.

Stefan Kuntz blickte nach oben, irgendwo in die oberen Ränge der Westkurve des Fritz-Walter-Stadions. Plötzlich konnte der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern nicht mehr. Tränen stiegen ihm in die Augen angesichts dessen, was er dort sah. Es war Minuten nach dem Abpfiff des Relegations-Rückspiels am Montagabend gegen 1899 Hoffenheim - nach einem 1:2, das besiegelt hatte, dass der FCK für mindestens ein weiteres Jahr in der 2. Fußball-Bundesliga bleibt. Erstligist Hoffenheim war in der Relegation zu stark, zu effektiv, um sich vom FCK tatsächlich in Bedrängnis bringen zu lassen. Trotzdem feierte das Publikum die Mannschaft so hingebungsvoll wie nie zuvor in dieser Saison. Obwohl sie nach dem Bundesliga-Abstieg 2012 die direkte Rückkehr in die 1. Liga verpasst hatte.

Kuntz war nicht der Einzige, den diese Stimmung im tiefsten Inneren berührte. Abwehrspieler Chris Löwe trieb es immer wieder von Neuem Tränen in die Augen. "Natürlich ist das sehr schön, es ändert aber nichts daran, dass wir nächste Saison wieder in der 2. Liga spielen", sagte er. Auch Franco Foda, sonst oft distanziert wirkend, war bewegt: "Ich bin stolz, hier Trainer zu sein." Für Alexander Baumjohann mischte sich Wehmut dazu, es war wohl der letzte Auftritt des Mittelfeldspielers im FCK-Trikot. Sein Vertrag, der sich beim Aufstieg um zwei Jahre verlängert hätte, läuft nun aus. "Ich bin dankbar, dass mir der FCK diese Chance gegeben hat. Ich wünsche dem FCK - unabhängig davon, was mit mir passiert - sehr viel Glück, dass er so schnell wie möglich wieder in die 1. Liga kommt, weil der Verein mit diesen Fans da hingehört." Kuntz geht von einem Abschied aus: "Das grenzt etwas an ein Orakel, aber meine innere Stimme sagt mir, dass es sehr schwer wird. Alexander will in die Bundesliga und hat gute Werbung für sich gemacht." Auch wenn Baumjohann der Abschied nicht leicht fallen wird: "Ich habe bei einigen großen Vereinen gespielt, aber solche Fans wie hier habe ich noch nie erlebt." An seinem Anspruch, in der Bundesliga zu spielen, konnten aber auch die fast 50 000 Fans am Montagabend auf dem Betzenberg letztlich nicht rütteln.

Und so musste inmitten all der emotionalen Aufwühlung der Blick wieder nach vorne gehen. Es wird beim FCK wieder einen Umbruch geben. "Wir werden schauen, wo wir uns noch verstärken müssen, und dann überlegen, mit wem wir es kommende Saison wieder versuchen wollen", sagte Kuntz. Sechs Spieler sind an andere Vereine ausgeliehen, darunter die Stürmer Itay Shechter (Swansea City) und Richard Sukuta-Pasu (Sturm Graz). Und viel Zeit bleibt nicht, beginnt die Vorbereitung auf die kommende Zweitliga-Saison doch am 16. Juni - in nur etwas mehr als zwei Wochen. "Wir müssen alles analysieren. Auch warum wir es nicht geschafft haben, direkt aufzusteigen", sagte FCK-Kapitän Albert Bunjaku. Kuntz versprach: "Wir werden wiederkommen. Wie die Zecken." Markus Gisdol sah am späten Montagabend das "Unheil" kommen, doch er nahm es mit einem Lächeln zur Kenntnis. Eine Stunde nach der Rettung im Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga erhielt der Trainer von 1899 Hoffenheim in der Pressekonferenz nach dem 2:1 im Relegations-Rückspiel beim 1. FC Kaiserslautern die obligatorische Bierdusche. Bewaffnet mit ein paar Dosen Gerstensaft hatte sich ein Teil der Mannschaft auf das Podium geschlichen und den Beginn einer langen Partynacht eingeläutet.

"Ich habe zwei Stunden Schlaf gehabt. Es war schön und intensiv, was dazu gehört, wenn man eine tolle Sache zur Krönung bringt", erzählte Gisdol am Dienstag über die Feierlichkeiten. Er räumte ein: "Wenn man im Trinken und Feiern nicht so trainiert ist, kann es Spuren hinterlassen."

Der 43-Jährige war nach dem Relegations-Rückspiel der gefeierte Mann bei 1899 Hoffenheim. "Der Trainer ist eine sehr positive Erscheinung und tut den Spielern gut", würdigte 1899-Präsident Peter Hofmann die Verdienste von Gisdol. Dessen Verpflichtung vor acht Wochen als Nachfolger des entlassenen Marco Kurz erwies sich für 1899 als Glücksgriff. Gisdol fand die richtige Ansprache, brachte die Mannschaft wieder auf Kurs. Innerhalb von zwei Monaten formte er aus vielen Einzelkönnern wieder eine Gemeinschaft, in der jeder für den anderen rannte - und die den Verbleib in der Bundesliga sicherte.