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Englischer Fußball
Ein denkwürdiger Abend im Wembleystadion

Der 15. November 2018 bleibt in Erinnerung: ein letztes Länderspiel, ein letztes Mal die Kapitänsbinde am Arm. Englands Superstar Wayne Rooney dankt ab.
Der 15. November 2018 bleibt in Erinnerung: ein letztes Länderspiel, ein letztes Mal die Kapitänsbinde am Arm. Englands Superstar Wayne Rooney dankt ab. FOTO: dpa / Nick Potts
London. England verabschiedet den 120-maligen Nationalspieler Wayne Rooney – und feiert die Zukunft in Gestalt von Jadon Sancho. sid

Nach 58 Minuten wurde es in Wembley so laut wie sonst kein zweites Mal an diesem Abend. Wayne Rooney betrat den heiligen Rasen dieser Kathedrale des Fußballs. Ein letztes Mal im weißen Trikot mit den drei Löwen auf der Brust, ein letztes Mal mit der Kapitänsbinde am linken Arm. Die etwa 60 000 Zuschauer feierten ihn enthusiastisch, und am Ende der 32 letzten Minuten seiner Karriere in der Nationalmannschaft hätte ihr Rekordtorschütze beinahe noch einen Treffer erzielt.


Wembley erlebte einen denkwürdigen Abend. Wegen Rooney, 33 Jahre alt, 120 Länderspiele, 54 Tore und ein Jahr nach seinem Rücktritt jetzt auch offiziell ein ehemaliger Nationalspieler. Vor allem aber auch wegen Jadon Sancho. Beim 3:0 (2:0) gegen die USA, seinem zweiten Länderspiel, dem ersten von Beginn an, erzielte der Angreifer von Borussia Dortmund keinen Treffer, spielte aber über 90 Minuten meist so atemberaubend, dass er die Beobachter verzückte und zum Schwärmen brachte.

„Wayne Rooney“, schrieb der Guardian, „muss sein jugendliches Ich in Jadon Sancho gesehen haben. Er verlässt diese Bühne mit der Gewissheit, dass der Stab an würdige Nachfolger übergeben wurde.“ 32 Minuten standen die Vergangenheit und die Zukunft der Three Lions gemeinsam auf dem Rasen, es waren 32 Minuten, die Sancho und Rooney erkennbar genossen. „Zusammen mit Wayne Rooney zu spielen, ist ein Traum, der wahr geworden ist. Er ist eine Legende und ein Vorbild für mich“, sagte Sancho.



Sancho war zwei Jahre alt, als Rooney sein Debüt für England gab. An diesem für beide so denkwürdigen Abend fühlten sich dann viele an den Rooney von damals erinnert. An einen jungen Angreifer, der dem darbenden Mutterland des Fußballs Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben sollte. „Aber Rooney war eine Reise ohne Landkarte“, merkte der Guardian an. Heißt: England hatte keinen Plan. Rooney war in seiner Karriere oft auf sich allein gestellt, die Nationalmannschaft dümpelte eher vor sich hin. Eine Perspektive auf große Siege oder gar Titel gab es nicht. Sancho hat es da besser: Dank Teammanager Gareth Southgate, der konsequent auf die Jugend setzt.

In der Anfangsformation der Engländer standen am Donnerstag sieben Spieler, die 25 Jahre alt oder jünger sind. Die Treffer erzielten Jesse Lingard (25. Minute/25 Jahre), Trent Alexander-Arnold (27. Minute/20) nach wunderbarer Vorlage von Sancho (18) sowie in der etwas mäßigen zweiten Halbzeit Debütant Callum Wilson (77. Minute/26). Rooney war beeindruckt. England habe „eine großartige Gruppe junger Spieler“ mit einer verheißungsvollen Zukunft, die noch dazu „brillant gecoacht“ werde, sagte er: „Das macht uns allen sehr viel Lust auf die kommende Zeit.“

Nach dem Verabschiedungsspiel für Rooney wird es an diesem Sonntag noch mal halbwegs ernst für die Engländer. Am letzten Spieltag ihrer hochkarätig besetzten Nations-League-Gruppe mit Spanien und Kroatien treffen sie in einer Neuauflage des WM-Halbfinals auf Kroatien. Ein Sieg, und die Three Lions stehen im Halbfinale des neuen Wettbewerbs. Sie könnten auch noch absteigen, aber Southgate betont: „Egal, was am Sonntag passiert – es war ein brillantes Jahr.“