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3. Handball-Liga Süd
Der Top-Neuzugang ist endlich angekommen

Neuzugang Ivan Kucharik (Mitte) findet sich immer besser zurecht bei der HG Saarlouis. Der Ex-Nationalspieler aus der Slowakei hatte sich in der Saisonvorbereitung einen Mittelhandbruch zugezogen.
Neuzugang Ivan Kucharik (Mitte) findet sich immer besser zurecht bei der HG Saarlouis. Der Ex-Nationalspieler aus der Slowakei hatte sich in der Saisonvorbereitung einen Mittelhandbruch zugezogen. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Ivan Kucharik sollte die HG Saarlouis anführen, fiel mit einem Mittelhandbruch aber lange aus. Jetzt ist der Slowake wieder topfit. Von David Benedyczuk

Im Juli sei plötzlich alles ganz schnell gegangen, verrät Ivan Kucharik. Die HG Saarlouis, nach dem Abstieg aus der 2. Handball-Bundesliga im Neuaufbau und auf der Suche nach einem erfahrenen Rückraumakteur mit Führungsqualitäten, unterbreitete dem 30-jährigen Slowaken ein Angebot: „Damit war ich sehr zufrieden“, sagt Kucharik: „Auch mit dem jungen Team und dem Trainer. Ich hatte sofort das Gefühl, dass es das Richtige für mich ist.“


Es folgten Medizincheck, einmal Training, die Signatur des zweijährigen Arbeitspapiers. „Dann war ich auch schon im Trainingslager in Frankreich mit den Jungs“, erinnert sich Kucharik an die Anfänge, denen eine schwere Phase folgen sollte. Beim Ernst-Thiel-Cup in Merzig, einem Vorbereitungsturnier, verletzte sich der Ex-Nationalspieler – bittere Diagnose: Mittelhandbruch, drei Monate Pause. Ein harter Schlag für die HG und Kucharik selbst, der sich vor dem Wechsel vom MTV Braunschweig (3. Liga) im Februar bereits den Daumen der rechten Hand gebrochen hatte.

„Der Anfang in Saarlouis war echt schwierig“, sagt der Neuzugang, der sich gedulden musste, bis er seine Stärken, die primär in seiner Dynamik und Schnelligkeit liegen, einbringen konnte. Erst im achten Spiel beim 25:25 gegen Ex-Spitzenreiter TSB Horkheim debütierte Kucharik. Vorher musste er sich damit begnügen, dem Team anderweitig zu helfen: Er wurde ja nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung geholt, hat unter anderem über 20 offizielle Länderspiele für die Slowakei in der Vita stehen und für den letzten Club in der Heimat, HK Topolcany, in der EHF-Cup-Qualifikation gespielt. „Ich versuche immer, den Jungs zu helfen und Tipps zu geben. Das war schon während meiner Verletzung so“, erläutert Kucharik – um lachend anzufügen: „Ja, meistens nehmen sie es auch an.“



Künftig will er vor allem auf der Platte mit anpacken – so an diesem Samstag, wenn die fünftplatzierte HG (14:8 Punkte) um 19.30 Uhr die Reserve von Erstligist Rhein-Neckar Löwen (13:9) zum Verfolger-Duell in der Stadtgartenhalle empfängt. „Ich fühle mich von Spiel zu Spiel besser“, sieht sich Kucharik auf gutem Wege. „Alles stabil“, sagt er zur gebeutelten Wurfhand.

Und auch im Team stelle sich zusehends Stabilität ein, findet der aus Sankt Martin stammende Slowake – wie die jüngste Bilanz von drei Siegen aus fünf unbesiegten Partien zeigt. Er sieht trotzdem Luft nach oben, alleine ob seiner Grundhaltung. „Ich bin Perfektionist, erwarte immer von mir, dass ich mich verbessere, und bin nie ganz zufrieden“, betont Kucharik.

Die aktuelle Lage der HG sei ähnlich wie bei der ersten Station in Deutschland. 2015 wechselte er zu Zweitliga-Absteiger Eintracht Hildesheim – und schaffte mit dem neu formierten Team im zweiten Jahr die Zweitliga-Rückkehr. „Wenn ich es vergleiche, sind wir hier sogar weiter als zum gleichen Zeitpunkt in Hildesheim“, sagt Kucharik, der die Niedersachsen trotz des Aufstiegs verlassen musste: „Ich war enttäuscht. Schließlich war und ist es mein Ziel, in Deutschland in der 2. Liga zu spielen. Ich hatte das aber zu akzeptieren“, blickt er ohne Groll zurück. Gleiches gilt für das abrupte Ende seiner Länderspiel-Karriere: Nachdem er 2011 mit vier Toren gegen Ungarn für die Slowakei debütiert hatte, wurde Kucharik ab Juni 2015 nicht mehr nominiert, nachdem er einige Termine wegen Überschneidung mit der nicht am internationalen Kalender orientierten 3. Liga abgesagt hatte.

Einer Rückkehr steht Kucharik gelassen gegenüber: „Wenn es so kommt, würde ich mich freuen. Wenn nicht, habe ich mehr Zeit für meine Verlobte. Im Juni wollen wir heiraten“, sagt er zur Beziehung mit Dominika Tvrdonova, ebenfalls Handballerin, die für Oberligist HSV Püttlingen spielt. Die 25-Jährige war schon früher ins Ausland gewechselt, während Kucharik erst sein gymnasiales Lehramtsstudium für Sport und Erdkunde abschloss.

Ob der Hochzeit vielleicht gar eine Aufstiegsfeier vorausgehen kann? „Es wäre natürlich schön, wenn es bei Saarlouis ähnlich läuft wie in Hildesheim und ich dann auch mit in die 2. Liga gehen darf. Aber wir sind da realistisch. Wir müssen versuchen, immer unser Bestes zu geben“, sagt Kucharik – vielleicht geht dann ja auch in Sachen Zweitliga-Rückkehr alles ganz schnell.