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„Schlimmer als Griechenland“

Parma. Ende der Neunziger Jahre galt Parma als Nabel der Fußballwelt. Heute steht der einstige Glamour-Klub aus dem Norden Italiens vor dem finanziellen Kollaps. In gut zwei Wochen kommt der Insolvenzverwalter. sid

Gianluigi Buffon, Fabio Cannavaro und Hernán Crespo liegen sich jubelnd in den Armen. Mit einer rauschenden Party feiern die Stars aus Parma ihren Triumph im Europapokal. Was sie nicht wissen: Der Sieg im Uefa-Cup 1999 wird wahrscheinlich der letzte große internationale Titel des so ruhmreichen AC sein. Heute, 16 Jahre und etliche Skandale später, ist der Verein am Ende. "Chiuso per Rapina" - "wegen Raubes geschlossen" prangt auf Stofffetzen am gepfändeten Stadiontor. Der Klub, der inzwischen FC Parma heißt, ist pleite.

Als Antonio Cassano seinen Vertrag Ende Januar kündigte, hatte auch der letzte große Star den Ernst der Lage erkannt. "Ich lasse mich nicht verschaukeln", sagte der 32-Jährige. Drei Millionen Euro pro Jahr wurden ihm versprochen - die letzten acht Monate sah er wie seine Mannschaftskollegen keinen einzigen Cent. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Klubbosse.

Der dreimalige italienische Pokalsieger bricht unter seiner 200 Millionen Euro schweren Schuldenlast zusammen. Die Stadt Parma zog im Sumpf die Reißleine und ließ Anfang März das Stadio Ennio Tardini schließen, weil der Verein Rechnungen für Strom und Wasser nicht zahlt. Das letzte bisschen Hab und Gut aus der Mannschaftskabine wird zwangsversteigert.

Am 19. März soll der abgeschlagene Tabellenletzte dem Insolvenzverwalter übergeben werden. Das Ende in der Serie A könnte jedoch schon früher kommen: bei der vierten selbstverschuldeten Spielabsage sieht das Reglement den sofortigen Ausschluss vor. Am vergangenen Wochenende konnte Parma bereits zum zweiten Mal in dieser Saison nicht antreten. Die Auswärtsfahrt ins rund 200 Kilometer entfernte Genua war zu teuer.

Um die Jahrtausendwende sprudelte Geld noch wie Wasser aus den Böden der Emilia-Romagna. Subventioniert vom Lebensmittelkonzern Parmalat waren Einkäufe wie Juan Sebastián Verón (17,5 Millionen Euro ), Savo Milosevic (25 Millionen) oder Borussia Dortmunds Evanilson (17 Millionen) die Regel. Aber schon 2003 musste Italiens Politik den Glamour-Klub vor dem Zwangsabstieg retten, als Parmalat Konkurs anmeldete.

Die Ganovenpolitik ging jahrelang weiter und kulminiert nun. Giampietro Manenti ist aktuell der sechste Präsident der letzten acht Wochen. "Man könnte sagen, dass Parma wie Griechenland ist, aber das wäre falsch. Es ist schlimmer", schrieb die Gazzetta dello Sport. Ob das Team am Sonntag gegen Atalanta Bergamo spielt, erscheint fraglich.