1. Sport
  2. Fußball
  3. Nationalmannschaft

Confed Cup: Auf den DFB warten rosige Zeiten

Confed Cup : Auf den DFB warten rosige Zeiten

Das Abschneiden bei Confed Cup und U21-EM zeigt: Die Auswahl an Talenten im deutschen Fußball ist riesig.

() Wenn Joachim Löw über die Zukunft des deutschen Fußballs spricht, dann streut er recht zuverlässig ein „Aber“ in seine Ausführungen ein. Große Talente wie Leroy Sané, Joshua Kimmich, Julian Weigl und einige andere seien zwar „hoch talentiert und haben beste Voraussetzungen“, sagt der Bundestrainer, „aber sie sind eben noch nicht in der Weltklasse. Noch lange nicht.“

Und doch: Der Auftritt von Löws Perspektiv-Mannschaft beim Confed Cup hat ebenso wie die Leistung der deutschen U21 bei der Europameisterschaft in Polen bereits vor den Finalspielen einen Trend bestätigt. „Kein anderes Land dieser Welt verfügt derzeit über ein ähnlich großes Potenzial im Bereich zwischen 21 und 26 Jahren“, schreibt der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann im „kicker“: „Und dazu kommen noch die erfahrenen Spieler.“

Mit anderen Worten: Der Fußball im Weltmeisterland geht goldenen Zeiten entgegen. „Mit der deutschen Auswahl ist immer zu rechnen. Natürlich auch 2018 bei der Weltmeisterschaft in Russland“, sagt Klinsmann. Er sieht einen Pool von 50 Klassespielern, aus denen Löw seine 23 Mann für die Mission Titelverteidigung schöpfen könne. Horst Hrubesch gerät angesichts dieser Fülle an Talenten ins Schwärmen. „Wir haben einen Traumjob“, sagt der DFB-Sportdirektor.

Überall blühende Landschaften? Löw hebt den Zeigefinger und mahnt zur Besonnenheit. „Mit der Anzahl junger Spieler können wir in Deutschland sehr zufrieden sein, da bin ich ein Stück weit ruhiger geworden. Wir haben eine gute Basis“, sagt er. Aber: Die hat nicht nur der DFB. „Frankreich hat einen unglaublichen Fundus, in Italien kommt einiges nach. Und was mich immer wieder beeindruckt, sind die U-Mannschaften von Spanien“, sagt Löw: „Wir dürfen auf keinen Fall stehen bleiben.“

Der stets kritische Weltmeister-Trainer räumt aber ein, dass sich vieles zum Guten gewandelt habe. Junge Spieler seien heute technisch und taktisch auf einem höheren Niveau als vor zehn Jahren. „In Drucksituationen haben sie mehr Lösungen, da sind die Spieler im Schnitt besser ausgebildet.“ Auch seien sie wissbegieriger, mündiger. Das Debakel bei der EM 2000 mit dem Aus in der Vorrunde „war der ausschlaggebende Punkt, dass wir mehr auf die Jugend gesetzt haben“, erzählt Horst Hrubesch: „Es war klar, dass sich das nach 15 Jahren irgendwann auszahlt.“

Der Luxus ist 2017 so groß, dass Löw mit acht Spielern zur Mini-WM reiste, die noch für die U21 antreten dürften – und trotzdem Erfolg hatte. Umgekehrt haben schon vier Akteure im U21-Kader A-Länderspiele bestritten. Zu Hause sitzen überdies Top-Talente wie Sané, Weigl oder Jonathan Tah. Der Übergang zwischen U- und A-Bereich sei längst „fließend“, sagt U21-Trainer Stefan Kuntz.

Die Frage sei allerdings, betont Hrubesch: Was kommt jetzt? Viele Talente machen nicht zwingend einen Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Und auch 50 Hoffnungsträger garantieren nicht den nächsten WM-Titel. „Wir müssen das Topniveau halten und uns sogar noch verbessern“, fordert Hrubesch: „Da geht es um Mentalität, wo kann man die letzten drei, vier Prozent rauskitzeln.“

Der Dortmunder Julian Weigl fehlt in Russland beim Confed Cup wegen eines Knöchelbruchs. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Zudem beobachtet er mit Sorge, dass auf dem Weg nach oben immer noch zu viele Talente auf der Strecke bleiben. Beim DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt Ende Mai (2:1) standen bei Anpfiff etwa nur vier deutsche Spieler auf dem Platz. „Da muss man drüber nachdenken“, sagt Hrubesch. Damit Joachim Löw irgendwann das „Aber“ aus seinen Sätzen streichen kann.