Confed Cup Deutschland Joachim Löw

Fußball : Küsschen, Pool und Rotwein

Die „Ferienkicker“ von Joachim Löw fiebern dem Halbfinale des Confed Cups in Russland entgegen.

() Joachim Löw feierte sein doppeltes Jubiläum bei der spontanen Hotel-Party losgelöst mit Küsschen und Rotwein, bei seinen jungen Wilden reiften an Pool und Strand die Titelträume. „Der Confed Cup ist für uns zu einer Erfolgsgeschichte geworden, wie wir das gar nicht erwartet haben“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Und das Halbfinale gegen Mexiko (Donnerstag, Anstoß um 20 Uhr) soll längst noch nicht alles sein.

„Wir sind nicht hier, um zu sagen: Zweiter, Dritter, Vierter – das reicht uns“, betonte Doppel-Torschütze Timo Werner nach dem 3:1 (0:0) gegen Afrikameister Kamerun und dem Gruppensieg vor Chile: „Wir wollen das Halbfinale gewinnen und am Ende auch das Finale.“ Löw machte die Aussicht auf ein mögliches Titelduell mit Europameister Portugal und Weltfußballer Cristiano Ronaldo am Sonntag in St. Petersburg (20 Uhr) fast übermütig. „Ein Endspiel gegen Portugal – das wollte ich schon bei der EM gerne haben“, witzelte der Bundestrainer.

Bei der abendlichen Feier im Teamhotel Radisson Blu Paradise zeigte sich Löw entsprechend entspannt. Er verteilte Küsschen an russische Fans und gönnte sich nach dem 100. Sieg im 150. Spiel als Bundestrainer im Kreise seines Stabs ein Glas Wein bei Kerzenschein. Seinen Helden gab er gestern Ausgang bis zum Abendessen um 20 Uhr.

Während Löw ein besonderes „Gefühl der Freiheit“ am Schwarzen Meer genoss, nutzten Werner und Co. die Freizeit. „Am Pool liegen und ein bisschen bräunen, bei der Hitze mal ins Wasser springen“, sagte der Leipziger, der den Gruppensieg mit seinem Doppelpack gesichert hatte (66. und 81. Minute). Vor zwei Wochen war er in Nürnberg gegen San Marino noch von den eigenen Fans ausgepfiffen worden, umso größer war nach seinen ersten Länderspieltoren die Erleichterung. Und überhaupt sei der Confed Cup eine Riesenerfahrung: „Bisher hat sich noch keiner beschwert, hier zu sein.“

Warum auch? Löws Perspektivteam hatte zwar in jedem Spiel Wackler, gegen Kamerun etwa geriet die erste Halbzeit zum Gruselkick. Dann aber erlösten Kerem Demirbay (48.) und Werner die Mannschaft, die das Gegentor von Benjamin Moukandjo (78.) locker wegsteckte. „Ich bin sehr stolz“, sagte Löw. Dass sein Perspektivteam unter die besten Vier kommen würde, „konnte man vorher so nicht unbedingt erwarten“.

Löw hat daran großen Anteil, mit seinen personellen Entscheidungen bewies er mehrfach ein goldenes Händchen. Gegen Kamerun, als er Werner, Demirbay und Marvin Plattenhardt in die Mannschaft nahm – und mehrere Stammkräfte schonte. „Jeder, der reinkommt, hat richtig Bock drauf“, sagte Weltmeister Shkodran Mustafi. Das war auch den Jokern Benjamin Henrichs und Amin Younes anzumerken. Löw hat damit bereits in der Gruppenphase alle 18 Feldspieler getestet.