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Moderner Mensch im alten Marstempel

Edgar Brück begleitet die Besucherin Laura Rausch beim virtuellen Spaziergang durch den Marstempel im Wareswald. Foto: B&K
Edgar Brück begleitet die Besucherin Laura Rausch beim virtuellen Spaziergang durch den Marstempel im Wareswald. Foto: B&K FOTO: B&K
Tholey. Eine Zeitreise ins dritte Jahrhundert nach Christus können die Besucher einer neuen Ausstellung im Schaumbergturm machen und den Marstempel im Wareswald besichtigen. Allerdings nur mit Hilfe einer 3D-Brille am Computer. Die virtuelle Expedition zum Mars kann bis 29. März täglich angetreten werden. Volker Fuchs

Auf einer der Holzsäulen steht ein Laptop, daran angeschlossen ist eine rechteckige schwarze 3D-Brille. Setzt der Besucher diese auf, dann ist er nicht mehr auf der vierten Ebene des Schaumbergturmes, sondern steht im Marstempel im Wareswald. Die moderne Computertechnik macht es möglich. Drückt der Besucher die Pfeiltasten des Laptops, dann kann er sogar im Tempel umherwandern, Fackeln anzünden und steht dann plötzlich vor der Statue des jungen Gottes Mars .

Funde als Grundlage



Dieser virtuelle Spaziergang ist das Kernstück einer Ausstellung im Schaumbergturm, die am Donnerstagabend bei einer Feierstunde eröffnet wurde. Sie ist bis zum 29. März zu sehen.

Der virtuelle Rundgang durch den Marstempel im Wareswald ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit der Hochschule für bildende Künste und der Grabungsgesellschaft Terrex. Professor Burkhard Detzler, der Lehrbeauftragte Edgar Brück und der Student Pascal Klein haben mit Hilfe des Computers ein virtuelles Modell des Tempels geschaffen. Dabei haben sie eng mit Terrex-Grabungsleiter Klaus-Peter Henz zusammengearbeitet. Denn in das Modell sind alle Ergebnisse der Ausgrabungen und Forschungen im Wareswald mit eingeflossen.

So ist nachgewiesen, dass es sich um einen römischen Umgangstempel gehandelt hat, dass der Sockel der Außenfassade mit rotem Putz verziert war. Zahlreiche Tonscherben belegen, dass das Gebäude mit Ziegeln gedeckt war. Glasscheiben, dass es Fenster gehabt hat. Unterschiedliche Fundamenttiefen sind Beweis dafür, dass das eigentliche Heiligtum höher gebaut war, als der angebaute Umgangsbereich (überdachter Rundgang). Alle Informationen sind in das Computermodell mit eingeflossen.

Trotzdem haben die Computerexperten und Archäologen einiges ergänzen müssen. So ist zwar klar, dass die Statue des Mars den jungen nackten Gott dargestellt hat, wie die Statue aber genau ausgesehen hat, ist eine Fiktion.

Edgar Brück , der sich seit 25 Jahren mit der Visualisierung historischer Bausubstanz befasst, stellte das Visualisierungs-Projekt und die Ausstellung vor. "Wir zeigen den Tempel so, wie er gewesen sein könnte. Wir zeigen das Bild, das wir uns heute machen." Der Vorteil des Computermodells: Gebe es neue Funde, dann könne man diese einarbeiten. Das Modell sei also nicht fest gefügt, sondern virtuell leicht änderbar. Auf sechs Schautafeln, angereichert mit Fundstücken, können die Besucher sich über den Marstempel und die Visualisierung informieren. Der Schaumbergturm sei ideal für diese Ausstellung, ergänzte Brück : "Ideal, um das Kulturerbe der Region hochzuhalten."

Terrex-Grabungsleiter Klaus-Peter Henz unterstrich die Bedeutung der Computerrekonstruktion. Denn ein Nachbau des Marstempels vor Ort verbiete sich, weil einfach nicht mehr genügend Substanz vorhanden sei. Man habe nur den Grundriss vollständig ausgraben können. Mauerreste habe es zwar bis ins 19. Jahrhundert gegeben. Die Steine haben die Bürger damals aber abgetragen und für den Bau von Häusern genutzt.

Christian Kaster, Leiter der gemeinnützigen Terrex-Ausgrabungsgesellschaft, ging auf die Unterstützung der Gemeinde Tholey ein. So könne man die Ausstellung an einem der prominentesten Plätze im Kreis zeigen.

Die Ausstellung auf der Informationsebene des Schaumbergturmes (E4) ist bis 29. März, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Klaus-Peter Henz hat sich bereit erklärt, angemeldeten Gruppen die Hintergründe der Ausgrabungen und den "Wiederaufbau" des Tempels am Computer zu erläutern und in den historischen Zusammenhang zu stellen.