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Aktion für Bleiberecht
Schüler fordern Menschlichkeit ein

Die Elftklässler diskutieren mit Landtagsabgeordneten, darunter Alexander Zeyer (CDU) und Jochen Flackus (Die Linke; von rechts).
Die Elftklässler diskutieren mit Landtagsabgeordneten, darunter Alexander Zeyer (CDU) und Jochen Flackus (Die Linke; von rechts). FOTO: Markus Mörsdorf/Schule
Marpingen. Eigentlich wollten sie nur den Saar-Landtag besuchen. Doch dann setzten sich die Marpinger Schüler für die Oma einer Mitschülerin ein.

Großer Einsatz für die Menschlichkeit: Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen haben sich bei Landtagsabgeordneten für die Großmutter einer Mitschülerin eingesetzt. Der Besuch im Saar-Landtag war seit drei Monaten geplant. „Er sollte einer der üblichen Informationsbesuche werden: kurze Führung durch das Gebäude, Rollenspiel im Plenarsaal und allgemeine Diskussion mit Landtagsabgeordneten“, erzählt Lehrer Markus Mörsdorf. Doch die nächtliche Abschiebung von Nina Ivoilova, der Großmutter einer Schülerin der Klasse 11a, habe den Stellenwert ihres Besuches gravierend verändert.



Im Mittelpunkt habe nun die Frage gestanden, wie Anastasias Oma geholfen werden kann. Diese wurde vor einigen Wochen von der Polizei abgeholt und in die Ukraine abgeschoben (die SZ berichtete). Die 73-Jährige sei verwitwet und habe in ihrem Herkunftsland keine Familie. Zudem herrsche dort im Donezbecken noch immer Krieg. „All diese Fakten sprechen nach Ansicht der Schüler gegen eine Abschiebung“, berichtet Mörsdorf.

Ihren Besuch im Landtag nutzten die 23 Schüler im Alter zwischen 16 und 17 Jahren daher, um Jochen Flackus (Linke), Alexander Zeyer (CDU) und Magnus Jung (SPD) über die Situation der Großmutter zu informieren. Die Politiker zeigten zwar Verständnis für die Probleme der Familie, erklärten jedoch, dass sie die Möglichkeit einer dauerhaften Wiedereinreise als sehr begrenzt sehen. „Für die Marpinger Schüler war dies wenig überzeugend. Der Hinweis darauf, dass gegenwärtig auch im Saarland viele Menschen eine restriktive Abschieberegelung befürworteten, ja sogar forderten, wollten sie nicht gelten lassen“, erklärte Mörsdorf weiter. Es ginge darum, neben den allgemeinen rechtlichen Regelungen auch die Menschlichkeit als Maßstab für soziales und politisches Handeln heranzuziehen, so der Tenor der Jugendlichen.

Die 23 Jugendlichen hoffen nun, dass ihr Einsatz für die Großmutter ihrer Mitschülerin nicht umsonst war. „Vielleicht konnten sie auch dazu beitragen, dass Nina Ivoilova zumindest wieder ihre Familie in Deutschland besuchen darf“, wünschte sich Mörsdorf. Er sei stolz auf das Engagement seiner Schüler: „Sie haben der Demokratie einen großen Dienst erwiesen, indem sie sich vor den Entscheidungsträgern kritisch, geschlossen und engagiert für die Achtung der Menschenrechte eingesetzt haben.“

Die Schüler der 11a der Gemeinschaftsschule Marpingen waren Gast im saarländischen Landtag.
Die Schüler der 11a der Gemeinschaftsschule Marpingen waren Gast im saarländischen Landtag. FOTO: Markus Mörsdorf/Schule