Redaktionsbesuch: Sporthalle, Süßigkeiten und Soziales

Redaktionsbesuch : Sporthalle, Süßigkeiten und Soziales

Beim Redaktionsbesuch verteidigt der CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Zeyer das geplante Sportzentrum in St. Wendel.

Politiker überbieten sich gerne mal. Sie wollen innovativere Ideen, bessere Kampagnen und mehr Wähler haben als die Opposition. Doch jetzt hat dieser Konkurrenzkampf ein neues Level erreicht. Denn seit Kurzem versuchen sich die Herren sogar, mit ihren Geschenken an die Redaktion zu übertreffen. Während Magnus Jung (SPD) bei seinem Besuch zwei gemischte Platten Kuchen mitbrachte, hat Alexander Zeyer (CDU) als Gastgeschenk gleich einen ganzen Korb voller Süßigkeiten dabei. Bonbons, Gummibärchen, Kekse, Schokolade – Lebensmittel, die zusammengerechnet locker die 8000-Kalorienmarke überschreiten.

„Ich habe hier noch etwas Nervennahrung“, sagt Zeyer, betritt das Büro und stellt das Präsent mit breitem Grinsen auf den Tisch. Dann verrät er den Grund für seinen Besuch: das Interview mit Magnus Jung im St. Wendeler Lokalteil der Saarbrücker Zeitung. „Ich will klarstellen, dass ich seine Kritik an der Sporthalle nicht nachvollziehen kann“, erklärt der 24-Jährige. Jung habe infrage gestellt, ob St.Wendel wirklich die Sportstadt des Saarlandes ist. Das sei ein Schlag ins Gesicht des Bürgermeisters, der Stadtverwaltung und der ganzen ehrenamtlichen Mitglieder in den Vereinen, so Zeyer. Ein Blick in den Veranstaltungskalender würde beweisen, dass keine andere Stadt in der Region sportlich so aktiv sei wie St. Wendel.

Noch weniger verstehen kann der CDU-Politiker den Vorwurf, dass der Landkreis kein Konzept und nicht mit der SPD über das Projekt gesprochen habe. „Es gibt einen ganz klaren Beschluss vom Kreistag“, sagt Zeyer. Die SPD hätte im Dezember vergangenen Jahres zugestimmt, dass es eine 20-prozentige Förderung für die Renovierung von Sporthallen gibt. „Wir können nicht noch damit anfangen, jedes Projekt, das der Landkreis unterstützt, mit allen Bürgermeistern zu besprechen“, rechtfertigt Zeyer.

Er betont, das neue Sportzentrum werde vor allem für den Schulstandort St. Wendel gebaut. „50 Prozent der Nutzung ist rein für die Schüler gedacht.“ Der Jungpolitiker erklärt, dass in der neuen Halle keine kulturellen Events stattfinden werden.  „Dafür haben wir den Saalbau und in den werden wir in den kommenden Jahren ja auch investieren.“ Den SPD-Vorschlag, die jetzige Halle zu sanieren, hält Zeyer für unmöglich. „Ich weiß nicht, wann Herr Jung das letzte Mal dort war. Anscheinend schon länger nicht mehr, sonst wüsste er, dass die Halle sehr marode ist.“ Diese wieder auf Vordermann zu bringen, würde Kosten in Millionen Höhe verursachen. Außerdem sei die Halle viel zu klein und biete nicht einmal einen Gastronomiebereich. Das mache es für die Vereine schwierig, eine größere Veranstaltung zu organisieren.

Zeyer spricht aus Erfahrung. Er engagiert sich selbst in mehreren Vereinen. Sport ist für den 24-Jährigen ein wichtiger Ausgleich zur Politik. 2007 ist er in die Junge Union eingetreten und bekleidet seit März 2015 das Amt des Landesvorsitzenden der Jungen Union Saar. Im Mai 2014 wurde Zeyer für die CDU St. Wendel in den Stadtrat gewählt. Dort ist er unter anderem Mitglied im Ausschuss für Kultur-, Jugend-, Sport-, Senioren- und Sozialangelegenheiten. Bei der Landtagswahl am 26. März ist es ihm gelungen, in den saarländischen Landtag einzuziehen. Dort ist er der Jüngste in der CDU-Franktion. „Am Anfang habe ich mir schon Gedanken gemacht, ob meine Kollegen mich ernst nehmen“, erinnert sich Zeyer. Doch er sei gut aufgenommen worden und profitiere von der Erfahrung der älteren Abgeordneten. Der Bliesener hat es sich mittlerweile zur Aufgabe gemacht, die Interessen der jungen Generation zu vertreten. Für die gebe es eine Menge zu tun.

„Wir sollten zum Beispiel kreisweit neue Bauplätze schaffen“, sagt Zeyer. Er kenne einige junge Familien, die gerne in den Landkreis St. Wendel ziehen würden, aber kein Grundstück finden. „Es gibt zwar genügend, aber viele Eigentümer wollen sie nicht verkaufen.“ Dass viele Menschen gerne in der Region wohnen würden, zeige seiner Meinung nach die große Nachfrage im Bliesener Neubaugebiet. „Dort waren alle Bauplätze innerhalb kurzer Zeit weg“, sagt Zeyer. Er hat sich auch vorgenommen, den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern. „Vor allem am Wochenende fährt in manchen Orten nur alle paar Stunden mal ein Bus. Das ist eine Katastrophe für die Jugendlichen“, bemängelt der CDU-Politiker. Darüber hinaus will er sich für günstigere Preise bei Zugtickets einsetzen, wieder mehr Konzerte nach St. Wendel holen und das mobile Netz im Landkreis verbessern.

Der CDU-Landtagsabgeordnete und Landesvorsitzende der Jungen Union Saar Alexander Zeyer. Foto: Carsten Simon

Politiker, die jetzt denken, sie könnten diese Ideen überbieten, dürfen sich gerne an die St. Wendeler Lokalredaktion wenden. Dazu noch ein kleiner Hinweis: Der Süßigkeiten-Korb ist mittlerweile fast leer.

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