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Merziger Know-how lüftet Geheimnisse um Nazi-Prozesse

Merzig. Die Nürnberger Prozesse 1945 waren die ersten internationalen Strafgerichtsverfahren. Damals wurden führende Nazi-Größen verurteilt. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag führt diese Tradition fort und wird immer dann aktiv, wenn Verbrechen gegen die Menschenrechte im Mittelpunkt stehen

Merzig. Die Nürnberger Prozesse 1945 waren die ersten internationalen Strafgerichtsverfahren. Damals wurden führende Nazi-Größen verurteilt. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag führt diese Tradition fort und wird immer dann aktiv, wenn Verbrechen gegen die Menschenrechte im Mittelpunkt stehen. Die gesamte Rechtsprechung dieser spektakulären Prozesse ist nun erstmals für die Öffentlichkeit in einer Internet-Datenbank abrufbar. Entwickelt wurde die Datenbank im Saarland, genauer in Merzig, von der Europäischen EDV-Akademie des Rechts (EEAR) und dem Institut für Rechtsinformatik der Saar-Uni. An dem gemeinnützigen Unternehmen sind je zur Hälfte das Saarland und der Deutsche EDV-Gerichtstag beteiligt. "Mit über 45 000 Dokumenten von 1945 bis heute haben wir die bisher größte und umfangreichste Sammlung zum Völkerstrafrecht aufgebaut", sagt Mathias Gisch, der das System für die EEAR in Merzig entwickelt hat. Mehrere wissenschaftliche Partnerinstitutionen des Internationalen Strafgerichtshofs haben die Dokumente geliefert. Diese wurden in diesem Projekt zu einer Sammlung vereint. Zu den Partnern gehören Friedensforschungsinstitute, Universitäten aus Norwegen, Österreich und Deutschland sowie die Prozessbeobachter von TRIAL Watch aus Genf. Die saarländische Landesregierung hat das Projekt finanziell unterstützt. Die Merziger Firma hat bereits in einem anderen Projekt mit dem Den Haager Gericht zusammengearbeitet, erläutert Projektkoordinator Ralph Hecksteden. Die EEAR erstellte zusammen mit dem Internationalen Strafgerichtshofs eine Beweisführungssoftware, die so genannte Case Matrix. Die "Legal-Tools"-Datenbank ist unter http://www.icc-cpi.int/ und dort unter "Legal texts and tools" zu erreichen. Die Datenbank ist allerdings nur in englischer und französicher Sprache zugänglich. clp