| 20:16 Uhr

Jedes Stück eine Überraschung

St. Ingbert. Kleinkunst, aber großes Können erwartete die Zuhörer am Freitagabend in der Stadthalle. "Piano meets Vibes", ein Konzert zweier international agierender Musiker und Komponisten stand auf dem Terminkalender der Stadtveranstaltung "Á la minute, Kleinkunst á la carte" Von SZ-Mitarbeiterin Barbara Hartmann

St. Ingbert. Kleinkunst, aber großes Können erwartete die Zuhörer am Freitagabend in der Stadthalle. "Piano meets Vibes", ein Konzert zweier international agierender Musiker und Komponisten stand auf dem Terminkalender der Stadtveranstaltung "Á la minute, Kleinkunst á la carte".


Meisterhaft spielende und weltweit arbeitende Musiker verirren sich nicht allzu häufig in die Mittelstadt. Musik pur, ohne Verstärkung und elektronische Hilfsmittel, ohne Hingucker als Ablenkung, schlicht in schwarzen T-Shirts vor dem schwarzen Vorhang erschienen die beiden Musiker und Komponisten Jens Schlieker und Nils Rohwer am Wochenende auf der Bühne. Sie bescherten den leider nur etwa 50 Zuhörern ein einmaliges Erlebnis. Ganz intim und sehr nah dran folgten sie einer fast zwei Stunden langen Folge von neuen Kompositionen, die gerade auf der vierten CD des Duos erschienen sind. Vibraphon und Marimba bilden mit dem Piano einen seltenen und außergewöhnlichen Klang.

Ruhige Klänge, Meditation, melodische Auf- und Abstiege, dann Unruhe, Leidenschaft, wilde Tänze. Keine Zeit zum Ausruhen für die Zuhörer. Jedes Stück eine weitere Überraschung. Die vier Schlagklöppel schlugen gleichzeitig, gewandt und perfekt mit dem Piano abgestimmt. Komplizierte Kompositionen auf den Schlaginstrumenten wechselten zwischen viereinhalb Oktaven und stahlen dem meisterlich spielenden Pianisten manchmal die Show. Dieser konterte mit seinem Solo, forderte den Steinwayflügel mit der Komposition eines kubanischen Komponisten, der "Reflektion über karibische Götterwelt".

Beide Künstler zeigten ihr Können in der absoluten Beherrschung der Instrumente. So wurde das Vibraphon, eigentlich ja ein Schlaginstrument, kurzerhand zum Streichinstrument umfunktioniert. Zwei Violinenbögen übernahmen die Arbeit der Schlagklöppel und wurden mit viel Gefühl über die Metallklangplatten des Xylophons gestrichen. Dass Pianist Schliecker und Vibraphonist Rohwer so erfolgreich sind, unterstreichen 20 Jahre gemeinsame Arbeit. Nationale und internationale Preise, Auftragskompositionen aus USA und Musik für Funk und Fernsehen sowie zahlreiche Konzerteinladungen geben ihnen recht. Die Musik der beiden lässt sich stilistisch nicht einer Musikrichtung zuordnen. Die Mischung aus Klassik, Jazz und weiteren Stilen sorgt für das Besondere. So ließen die begeisterten Zuhörer am Ende die beiden Herren auch nicht ohne Zugabe gehen: Ein aufregender Tango bildete den Schluss eines Ausnahmekonzertes.