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"Engel begegnen uns ja überall"

Die protestantische Kirchengemeinde Einöd-Ingweiler beschäftigt sich im Juni mit dem Thema Engel, insbesondere in Form einer Ausstellung im Gemeindezentrum Am Asenbühl

Die protestantische Kirchengemeinde Einöd-Ingweiler beschäftigt sich im Juni mit dem Thema Engel, insbesondere in Form einer Ausstellung im Gemeindezentrum Am Asenbühl. Im Volksmund gelten Engel als katholisch, warum eine protestantische Ausstellung?Heide Salm: In der sogenannten Volksfrömmigkeit hat die Vorstellung der Schutzengel als schützende und vor Unheil bewahrende Kräfte schon immer eine Rolle gespielt ganz gleich ob man der evangelischen oder der katholischen Konfession angehörte. Da hat die Konfessionszugehörigkeit keine besondere Bedeutung. Engel begegnen uns ja überall. In der Kunst, in der Werbung, in fast allen monotheistischen Religionen sind Engel als Mittlerwesen zwischen Gott und Mensch Kulturgut der Menschheit. Engel müssen auch nicht die Wesen mit Flügeln sein. Das lateinische Wort Angelus, auf das sich unser deutsches Wort Engel zurückführt, bedeutet einfach Bote. Und sie sind aus der Bibel bekannt vor allem aus dem Alten Testament, wo sie den Menschen oft in Schwellensituationen oder kritischen Lebenssituationen diese Situationen klären helfen oder Botschaften Gottes übermitteln. Als ein Leitmotiv existentieller religiöser Erfahrung treten Engel unerwartet vor allem in Grenzsituationen im Zusammenhang mit Geburt, Bedrohung und Tod auf. Engel sind Teil der göttlichen Präsenz und treten in entscheidenden Lebenssituationen auf, um den Menschen den Weg zu weisen. Und nach biblischer Tradition sind Engel Boten, durch die Gott dem Menschen etwas mitteilt, ihn begleitet oder etwas in ihm bewirkt. Jahrhundertelang macht die christliche Kunst den unsichtbaren Gott durch die Abbildung seiner Boten sichtbar. Seit der Barockzeit führt die allmähliche Trennung der Engel von ihrem religiösen Bezugsrahmen zu einer vielfältigen Verfügbarkeit und häufig zum Verlust einer erkennbaren christlichen Botschaft. Bis zum 18. Jahrhundert war der Glaube an Engel noch selbstverständlich, seit der Aufklärung wird er bezweifelt und heute entweder belächelt oder ernsthaft verfochten. Die heutige Werbung benutzt das saubere Image der Engel als Blickfang und Konsumgut. Versicherungen arbeiten gern mit dem Schutzengelklischee. Die erfolgreiche Aneignung des Engels durch Werbung und auch durch die Esoterik speist sich vor allem aus der menschlichen Sehnsucht nach seelischer Geborgenheit durch eine höhere Macht. Sind Engel als Schutzwesen in der heutigen krisengeschüttelten Zeit wieder bei den Menschen vonnöten?Heide Salm: Da Engel nicht nur als schmückendes Beiwerk in der Weihnachtszeit zu finden sind, sondern das ganze Jahr über in vielfacher Form vorhanden sind, meine ich zu beobachten, dass es ein großes Bedürfnis nach Geborgenheit und Stabilität gibt und der Engelboom auch Reaktion zu sein scheint auf den immer stärker von Technik und Effizienzdenken geprägten Alltag. Persönlich ist für mich die Vorstellung der geflügelten Himmelswesen und Engel ein Kunstprodukt in dem aber auch zum Ausdruck kommen soll, dass es Gott nicht egal ist was mit den Menschen geschieht und man durchaus mit der göttlichen Präsenz rechnen kann und darf. Wie gesagt, es müssen nicht Männer mit Flügeln sein . . .! wie es in einem Gedicht von Rudolf Otto Wiemer heißt.Was ist in der Ausstellung in Einöd zu sehen?Heide Salm: Die Ausstellung hier in Einöd besteht aus zwei Teilen: Engel ohne Ende - Ende der Engel? Engel in der Kunst. Zwölf Bildtafeln zeigen die Entwicklung des christlichen Engelbildes von der Antike bis zur Gegenwart. Die erläuternden Texte ordnen die Engelbilder einer jeweiligen Epoche kunst- und geistesgeschichtlich zu und laden zu einer neuen Auseinandersetzung mit Engeln ein. Diese Bildtafeln werden ergänzt durch Objekte aus der Sammlung der Volksfrömmigkeit unter dem Motto: Gottes Engel weichen nie. . .. Ein kleines Begleitheft zur Ausstellung enthält Gedanken zu den Engeln. Zur Ausstellung sind auch Karten mit Engelmotiven erhältlich.Frage: Wann wird die Ausstellung eröffnet und wie lange dauert sie; wann ist sie zu sehen?Heide Salm: Die Ausstellung wird am Mittwoch, 3. Juni, um 15 Uhr im Protestantischen Gemeindezentrum Einöd eröffnet und ist bis zum 24. Juni zu sehen, von Montag bis Freitag 15 bis 18 Uhr. Es werden auch einige Veranstaltungen stattfinden: Am 10. Juni laden wir ein zum Frauenfrühstück von 9.30 bis 11.30 Uhr mit dem Thema: Engel - Kitsch oder Gottesboten? Referentin ist Rita Höfer, Leiterin der katholischen Frauenarbeit in Speyer. Am 16. Juni ist ein Workshop: Engel gestalten, von 15 bis 19 Uhr. Und am 17. Juni kommt die Märchenerzählerin Silvia Klippel zum Märchenabend ab 19 Uhr. Der Engel in dir kennt deinen Weg - unter diesem Motto erzählt sie Märchen rund um Engel und himmlische Wesen. Alle Veranstaltungen finden im Gemeindezentrum statt.




Auf einen BlickDie protestantische Kirchengemeinde Einöd-Ingweiler zählt über 1500 Mitglieder. Sie gehört kirchenrechtlich zum Protestantischen Dekanat Zweibrücken und ist Teil der Evangelischen Kirche der Pfalz (auch Protestantische Landeskirche), die ihren Sitz in Speyer hat. Fragen rund ums Thema Engel beantworten Pfarrerin Heide Salm unter Telefon (06848) 225 und Ehren-Presbyterin Emi Neuschwander unter Telefon (06848) 252. jkn