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Bonjour für Kinder in Erbach

Homburg/Bexbach/Kirkel. Europa ist in aller Munde, nicht zuletzt die Wahlen zum europäischen Parlament am 7. Juni lenken derzeit den Blick vieler auf die Zukunft eines politisch und kulturell zusammenrückenden Lebensraumes. Ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Teilnahmen am Europa der Zukunft ist die Sprache, im Saarland dabei vor allem die französische Von SZ-Mitarbeiter Thorsten Wolf

Homburg/Bexbach/Kirkel. Europa ist in aller Munde, nicht zuletzt die Wahlen zum europäischen Parlament am 7. Juni lenken derzeit den Blick vieler auf die Zukunft eines politisch und kulturell zusammenrückenden Lebensraumes. Ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Teilnahmen am Europa der Zukunft ist die Sprache, im Saarland dabei vor allem die französische. Und hier sind es in erster Linie die Kinder, denen die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft viel Aufmerksamkeit zukommen lassen. Seit 1998 finanziert das Saarland spezielle Spracherziehungsprogramme in Kindergärten und Kindertagesstätten. Die sollen es den Einrichtungen ermöglichen, französische Muttelsprachlerinnen als Erziehrinnen in den Tagesbetrieb einzubinden, für drei Jahre fließt dafür pro Kindergarten eine Anschubfinanzierung aus den Kassen des Kultusministeriums. Seit der "Stunde Null" ist auch der katholische Kindergarten an der Charlottenburger Straße in Erbach Teil dieses Programms. Von dessen Wert ist die Leiterin Monika Forster absolut überzeugt. Abseits von schulischen Zwängen ist das Sprechen der französischen Sprache inzwischen alltäglicher Teil der Erziehung, sind muttelsprachliche Mitarbeiterinnen vollwertige Mitglieder des Personaltableaus. Und das, obwohl die Finanzierung der ursprünglich als Ergänzung gedachten Muttersprachlerinnen durch die Landesregierung schon lange abgeschlossen ist. Forster: "Der für uns zuständige Pfarrer Axel Brecht hat klar gemacht, dass diese bilinguale Erziehung die Zukunft ist." Über natürlichen Personalwechsel wurde so erreicht, dass heute drei französische Erziehrinnen an der Charlottenburger Straße auf Basis regulärer Arbeitsverträge aktiv sein können. Eine von ihnen ist Betty Muller aus dem französischen Achen. Für die gelernte Erzieherin war es vor allem das Konzept der deutschen Kindergärten, das sie überraschte. "Der Unterschied ist sehr groß. Die Freiheit des Spielerischen gibt es so in Frankreich nicht." Gerade wegen dieser Freiräume beim Spielen gestaltet sich die sprachliche Erziehung in den Kindergärten - abseits von schulischen Normen über die schlichte Anwendung der Fremdsprache im täglichen Leben - nicht allzu schwierig. Vom Begriff des Sprachunterichts will auch Eva Hammes-Di Bernardo, zuständige Referentin im Kultusministerium für Bildungsfragen und Sprachentwicklung an Kindergärten, nichts wissen. "Kinder in diesem Alter haben keine Lernstrategie. Es geht uns darum, in einem natürlichen Umfeld die Fremdsprache erlebbar zu machen." Den Kindern des Kindergartens an der Charlottenburger Straße scheint das Konzept zu gefallen. Denn wenn man sie fragt, ob es ihnen Spaß macht, kommt die Antwort meistens kurz und knapp, so wie von Maja und Darlin: "Ja!"


Auf einen BlickDerzeit sind 140 Kindergärten und Kindertagesstätten Teil des bilingualen Förderprogramms der saarländischen Landeregierung. Start des Projektes war 1998, zur Umsetzung wurden Landesmittel, ab dem Jahr 2000 zusätzlich ein Austauschprogramm für Fackräfte zwischen dem Saarland und Lothringen herangezogen. thw