Klaus Töpfer erhält Wust-PreisKommissionschef will Atomausstieg ohne soziale Verwerfungen

Klaus Töpfer erhält Wust-PreisKommissionschef will Atomausstieg ohne soziale Verwerfungen

Saarbrücken. Der CDU-Politiker Klaus Töpfer hat gestern den Peter-Wust-Preis der Christlichen Erwachsenenbildung Merzig und der Katholischen Akademie Trier erhalten. Heute wird Töpfer erstmals mit den übrigen Mitgliedern der Ethik-Kommission zur sicheren Energieversorgung zusammenkommen

Saarbrücken. Der CDU-Politiker Klaus Töpfer hat gestern den Peter-Wust-Preis der Christlichen Erwachsenenbildung Merzig und der Katholischen Akademie Trier erhalten. Heute wird Töpfer erstmals mit den übrigen Mitgliedern der Ethik-Kommission zur sicheren Energieversorgung zusammenkommen. Der renommierte Umweltpolitiker ist einer von zwei Vorsitzenden dieser Kommission, die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Bekanntwerden der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima eingesetzt hatte.Die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung gegenüber der Welt standen auch im Zentrum der Würdigungen und Dankesworte auf dem Saarbrücker Halberg. Dort, im Studio eins, wurde immer wieder an den saarländischen Philosophen Peter Wust (1884 - 1940) erinnert. In Gedenken an den Hochschullehrer aus Rissenthal erhielt Töpfer den Preis für "sein Wirken aus christlicher Verantwortung in den Herausforderungen zur Bewahrung der Schöpfung und zum Wohl der Menschen." Dabei wurde der Politiker für seine Arbeit in "verantwortlichen Positionen und internationalen Funktionen" ausgezeichnet.

Die Laudatio auf Töpfer, der einst Mitarbeiter in der Saarbrücker Staatskanzlei und von 1990 bis 1995 CDU-Landesvorsitzender an der Saar war, hielt Ministerpräsident Peter Müller (CDU). Er würdigte die Verdienste Töpfers, der unter anderem als ehemaliger Bundesumweltminister und Direktor des UN-Umweltprogrammes gewirkt hat. Heute sei Töpfer Gründungsdirektor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit sowie Vizepräsident der Welthungerhilfe und Kommissionsvorsitzender im "Rat der Weisen". "Der Mann wird gebraucht", sagte Müller, der Töpfers frühe Hinwendung zur Umweltpolitik hervorhob und den 72-Jährigen "ein Vorbild" nannte.

Klaus Töpfer dankte für den Preis, den der Direktor der Katholischen Akademie Trier, Jürgen Doetsch, und der Vorsitzenden der christlichen Erwachsenenbildung Merzig, Gisbert Eisenbarth, überreichten. Und Töpfer nutzte die Gelegenheit, um sich gegen "ein Diktat der Alternativlosigkeit" und "ein Diktat der Kurzfristigkeit" in der öffentlichen Diskussion auszusprechen. Alternativlos sei nur der Glaube. Herr Töpfer, welche Erwartungen haben Sie an die Arbeit in der Ethikkommission zum Atomausstieg, die heute erstmals zusammenkommt?

Töpfer: Es ist sehr bemerkenswert, wie diese Kommission zusammengesetzt ist und lässt deswegen erwarten, dass wir eine breite Diskussion über die Möglichkeiten der Energieversorgung eines wirtschaftlich sehr starken Landes bekommen werden. Eine Diskussion, die auch darauf hingeht, nicht nur eine Technik irgendwie zu erörtern und den Ausstieg aus dieser Technik mit zu begründen, sondern die uns klarmachen muss, dass wir Risiken für unseren Wohlstand eingehen, die jetzt an manchen Stellen über das hinausgehen, was der Mensch dort verantworten kann. Daher glaube ich, dass wir sicherlich Aussagen zur Beendigung der Nutzung der Kernenergie gemeinsam finden werden. Dass wir uns darüber hinaus aber auch darüber Gedanken machen müssen, wie dies möglich ist ohne soziale Verwerfungen, ohne zusätzliche Belastungen der Umwelt vor allem im Klimabereich und ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und damit viele Arbeitsplätze in Deutschland aufs Spiel gesetzt werden. Das ist eine große Herausforderung, die wir auch nicht abschließend regeln können in kurzer Zeit. Für die wir aber sinnvolle Hinweise erarbeiten können.

Viele Saarländer blicken besorgt aufs lothringische Atomkraftwerk in Cattenom. Eine innerdeutsche Diskussion ist doch verkürzt. . .

Töpfer: Sie ist dann nicht verkürzt, wenn wir belegen können, dass der Ausstieg möglich ist, ohne die negativen Auswirkungen auf die soziale Struktur, auf die wirtschaftliche Stabilität und auf die Umwelt. Dann wird eine solche Vorgehensweise auch vielen anderen in der Welt belegen können, dass man solche Ziele ohne Kernenergie realisieren kann. Wenn das nicht gelingt, werden andere unseren Ausstieg als Beleg dafür sehen, dass sie drinbleiben müssen. Das wäre auch für unsere Sicherheit in Zukunft nicht hilfreich.

Bei gesellschaftlichen Kontroversen ruft die CDU mittlerweile gerne die Väter-Generation.

Töpfer: Ach, man sollte das nicht so generalisieren. Es ist sicherlich sinnvoll, auch ein Stück Abstand zu bekommen. Der Abstand ist auch mit Blick auf die Überzeugungskraft und auf die Glaubwürdigkeit immer wieder notwendig. So sehe ich diese Einbindung - auch von Persönlichkeiten wie Heiner Geißler - in die Entscheidungsfindung als Beitrag zu einem sehr viel sachgerechteren und nicht parteipolitisch vorbelasteten Dialog.

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