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Schilder sollen Irrfahrt stoppen

Diese Kombination aus Sperren, Leitbaken und Verkehrsschildern soll Lkw-Fahrer aufmerksam machen und mit ihren Lastern möglichst aus dem Hanfweg in Sengscheid fernhalten. Foto: Michael Haßdenteufel
Diese Kombination aus Sperren, Leitbaken und Verkehrsschildern soll Lkw-Fahrer aufmerksam machen und mit ihren Lastern möglichst aus dem Hanfweg in Sengscheid fernhalten. Foto: Michael Haßdenteufel FOTO: Michael Haßdenteufel
St Ingbert. Noch immer lotsen Navigationsgeräte schwere Lkw in die schmalen Straßen von Sengscheid. Niemand weiß warum. Und lange wusste auch keiner, was dagegen zu tun ist. Jetzt soll eine Schilderwand im Hanfweg den Brummi-Irrsinn bremsen. Manfred Schetting

. Irrfahrten von schweren Lkw durch das beschauliche Sengscheid waren schon vor einigen Wochen erstmals ein Thema. Was damals als Ausnahme erschien, ist jetzt aber die Regel. Aus unerfindlichen Gründen lotsen Navigationsgeräte die Brummis statt auf die Umfahrungen der Autobahn mitten in den Weiler. In die Navi-Falle tappen, wie Anwohner aus Sengscheid berichten, bevorzugt dicke Sattelschlepper mit osteuropäischen Chauffeuren - und das gerne nachts. Im Dunkeln werde dann die Kombination aus großem Wendekreis, dicken Reifen und fehlender Ortskenntnis richtig fatal. Wenn die Brummifahrer merken, dass sie überall hinkommen, nur nicht zur Autobahn, leitet sie das Navi auf der Suche nach dem kürzesten Weg auch noch in den schmalen Hanfweg, der als Lkw-Strecke denkbar ungeeignet ist. Der Umweg ende oft in der Wiese und der Manövrierunfähigkeit.


Das jüngste Beispiel für eine solche Irrfahrt ereignete sich am vergangenen Mittwoch in der Frühe. Gegen 1 Uhr suchte ein Lkw einen Ausweg aus dem Hanfweg - und das mit ziemlich rabiater Methode. Erst rammte der Laster zwei Betonpfeiler und dann krachte er an der Fassade eines gegenüberliegenden Hauses an die Eternit-Platten. Bis die aufgeschreckten Bewohner an ihre Fenster kamen, und lange bevor eine Polizeistreife in Sengscheid eintraf, war der Brummi unerkannt über alle Berge.

Schon nach den ersten Vorfällen hatten Bewohner des Hanf- und des Grumbachtalwegs im Mai die Stadt St. Ingbert um Hilfe gegen die Lkw gebeten, die in Sengscheid nichts verloren hatten. Doch die fühlte sich eigentlich nicht zuständig. "Die Lkw landen ja wegen einer Sperrung der Autobahn in Sengscheid, die nicht die Stadt, sondern das Land verhängt hat", sagt Stadtpressesprecher Peter Gaschott. Diese Sicht der Verantwortlichkeiten habe das Rathaus auch dem zuständigen Ministerium mitgeteilt und eine Abhilfe gefordert, so Gaschott. Als diese aber erkennbar ausblieb, sei die Stadtverwaltung tätig geworden, "im Sinne der Bürger, denen wir verpflichtet sind". Als erster Schritt wurde die Zufahrt nach Sengscheid mit etlichen Schildern garniert, die Lkw-Fahrer vom Weiterfahren abhalten sollen. Weil das aber nichts brachte, folgte ein Ortstermin, bei dem Vertreter des Rathauses und Anwohner berieten, was man tun könne. Und man einigte sich so: Die Einfahrt zum Hanfweg sollte derart eingeengt werden, dass kein Lkw-Fahrer auf die Idee kommen könnte, ihn zu durchqueren.



Doch was so simpel klang, war in der Praxis kompliziert. Denn bis vor wenigen Tagen dachte die Straßenverkehrsbehörde auf folgender Problemstellung herum: Eine Einengung sollte eindeutig und wirksam sein, gleichzeitig aber leicht zu entfernen, wenn es im Hanfweg einen Feuerwehreinsatz gäbe, und auf keinen Fall so mobil, dass sie ein genervter Lkw-Fahrer mit einem Handgriff wegschiebt. Ende vergangener Woche war die Lösung gefunden. Jetzt stehen vorm Hanfweg rot-weiße Baken aus Blech und Kunststoff sowie die Verkehrsschilder "Durchfahrt verboten" und "Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen" - jeweils mit dem Zusatz "Anlieger frei". Den Schilderwald begleitet die Hoffnung, dass wenigstens er eindeutig ist, wenn in Sengscheid schon die Navis spinnen.