| 20:22 Uhr

Handarbeit Handarbeit
Altardecken für die Josefskirche

Giselle Klein und Monika Kaiser präsentieren gemeinsam mit Agathe Betz-Junk (von rechts) die handgemachten Altardecken für die Josefskirche.
Giselle Klein und Monika Kaiser präsentieren gemeinsam mit Agathe Betz-Junk (von rechts) die handgemachten Altardecken für die Josefskirche. FOTO: Seliana Summer / Selina Summer
St. Ingbert. Agathe Betz-Junk und die Frauengruppe St. Josef stricken für den guten Zweck.

Bastelarbeit für einen guten Zweck ist bereits seit drei Jahren das Motto von Agathe Betz-Junk. Aus alten Gebetbüchern fertigt die St. Ingberterin Engelchen an. Zwei Seiten braucht sie pro Stück. Als Kopf dient eine Holzperle, ein Knopf krönt als Heiligenschein die hübsche Weihnachtsdekoration. Erwerben kann man sie in der Buchhandlung Friedrich und im Pralinenlädchen für zwei Euro pro Stück. Der Erlös fließt in kirchliche Projekte. 2015 half sie so den Anstrich der Alten Kirche zu finanzieren, 2016 kamen die Einnahmen der Orgel zugute.



In diesem Jahr erhält ein ganz spezielles Projekt durch ihre Aktion finanzielle Unterstützung, für das sich auch die Frauengruppe St. Josef engagiert: Monika Kaiser und Giselle Klein sticken neue Altardecken für die Josefskirche. Dabei verwenden sie eine ganz besondere Technik. Hardangerstil nennt sich das aufwändige Muster, welches mit dünnem Stickgarn auf dem Leinenstoff angebracht wird. Mit einem Plattstich befestigen die beiden Frauen die komplizierte Verzierung auf dem Stoff. Anschließend wird ein Teil der Gewebefäden innerhalb der Stickerei ausgeschnitten und fadenweise ausgezogen. Übrig bleiben Gruppen aus vier Fäden, die wiederum mit verschiedenen Techniken zu festen Stegen umwickelt werden. Je nachdem wie man es anstellt, entstehen hierbei verschiedene Muster. Sogar kleine Sterne, Zierknoten und Malteserkreuze sind möglich. Nur wenige Millimeter sind diese einzelnen Elemente groß, zusammen ergeben sie ein aufwändiges Bild.

„280 Zentimeter ist eine Altardecke lang“, berichtet Monika Kaiser und breitet sie gemeinsam mit ihrer Freundin aus. Wie viele Arbeitsstunden die beiden Frauen investierten, haben sie nicht gezählt. „Unendlich viele“, meint Giselle Klein. „Es ist wahnsinnig viel Arbeit, aber es macht viel Spaß.“

Mit dem Sticken angefangen haben die Zwei vor zwanzig Jahren in einem Handarbeitskurs. Inzwischen gibt Kaiser selbst Kurse bei Stoffideen, um ihr Wissen weiterzugeben. Die Geschichte dieser Stickkunst ist lang. Der Hardangerstil gehört zur Durchbruchsstickerei, die im siebten Jahrhundert von Persien über Italien nach Norwegen kam. Besonders in der Hardangerregion wurde der Stil weiterentwickelt und besonders häufig für Trachten verwendet. Eine filigrane und aufwändige Arbeit. „Man muss rechnen und gut aufpassen“, erzählt Klein. „Wenn man sich verzählt und es zu spät merkt, sucht man ewig nach dem Fehler und muss dann alles wieder aufziehen.“Auch die winzigen Aussparungen zu schneiden ist eine anstrengende Arbeit - besonders für die Augen. Mit einer dünnen, spitzen Schere wird dabei Faden für Faden durchtrennt.

Die zwei Frauen lieben ihr Hobby. Nicht nur Tischdecken haben sie bisher hergestellt, sondern auch auch Dekoration zum Aufstellen und aufhängen, aber auch ganze Kleidungsstücke. Klein hat sogar schon eine Altardecke für die Engelbertskirche gefertigt. „Die Handarbeit ist wie eine Sucht“, scherzt sie und Monika Kaiser fügt an: „Ich kann noch so wütend sein, sobald ich mich an meine Handarbeit setze, bin ich die Ruhe selbst.“ Demnächst hat die Josefskirche zwei ganz besondere Decken auf den Altären.

Bastel- und Handarbeit auf einem Bild. Die Stickerei im Hadangerstil ist eine besonders aufwändige und zeitintensive Arbeit.
Bastel- und Handarbeit auf einem Bild. Die Stickerei im Hadangerstil ist eine besonders aufwändige und zeitintensive Arbeit. FOTO: Selina Summer