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Bürger kämpfen für ihre Friedhöfe

Homburg. Der Stadtrat Homburg verabschiedete gestern Abend mehrheitlich den Haushaltssanierungsplan – mit der Teilschließung von vier Friedhöfen. Betroffene Bürger forderten zuvor, der Rat solle die Entscheidung noch einmal überdenken. Peter Neuheisel

Das Friedhofsthema stand gestern Abend eigentlich nicht auf der Tagesordnung des Homburger Stadtrates. Dennoch spielte es eine Hauptrolle. Bürgerinnen und Bürger aus Wörschweiler, Ingweiler, Websweiler und Altbreitenfelderhof nutzten nämlich die Gunst der Stunde und protestierten vor Eintritt in die öffentliche Sitzung gegen die von der Stadt beabsichtigte Teilschließung der vier Friedhöfe in ihren Orten.

Im Namen der Demonstranten verlas die frühere Seniorenbeauftragte der Stadt, Christel Steitz aus Websweiler, eine gemeinsame Resolution für den Erhalt der Friedhöfe . Der Stadtrat gab den Beteiligten Rederecht, weil er anschließend sowieso noch einmal über den bereits bei der Kommunalaufsicht eingereichten Sanierungshaushalt formal abstimmen musste. In der von Christel Steitz vorgetragenen Resolution heißt es unter anderem: "Jeder Friedhof ist ein kultureller Ort, ein Zeugnis für das Verhältnis der Menschen zum Tod - gleichzeitig auch ein Ort der lokalen Identität und des öffentlichen Interesses der Bewohner unserer Stadtteile." Für die Menschen sei es wichtig, auch noch in vielleicht 30 Jahren dort begraben zu werden, wo sie gelebt hätten. Das sei ein hoch emotionales Thema. Steitz kritisierte, dass die Betroffenen von dem Stadtratsbeschluss, aufgrund von Sparmaßnahmen die vier Friedhöfe zu schließen, "aus der Saarbrücker Zeitung" erfahren mussten. "Vorherige Gespräche wären von Seiten der Stadtverwaltung und den gewählten Mitgliedern aller Fraktionen notwendig gewesen. Die hätten wir mindestens erwartet."

Erst nach starken Protesten aus der Bevölkerung sei das Gespräch mit den Betroffenen gesucht worden. "Auch wenn danach nur noch von einer Teilschließung gesprochen wird, ändert das nichts an den Interessen der Beteiligten." Zunächst, so Steitz weiter, stünden die Belange der Lebenden im Vordergrund. Als Bürger der Ortsteile wenden wir uns entschieden gegen die Schließungspläne." Insbesondere die älteren und auch jüngeren Mitbürger seien auf einen wohnortnahen Friedhof als Ort des Gedenkens an verstorbene Angehörige und Freunde angewiesen. Gerade den älteren Mitbürgern sei es nicht zuzumuten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln entfernter liegende Friedhöfe aufzusuchen. Außerdem sehen die Kritiker eine Friedhofsschließung für eine kurzfristige Kostenersparnis als "denkbar ungeeignet". Im Gegenteil bringe eine solche kurzfristig überhaupt nichts, "denn für die Dauer der Liegezeiten müssen sie weiter gepflegt werden". Auch das Gemeinschaftsgrab sei zu berücksichtigen, das zum Beispiel für 20 Jahre gekauft sei, von denen gerade fünf Jahre vergangen seien. Die Vorstellungen der Verwaltung seien in vielen Punkten unausgegoren. Christel Steitz stellte noch die Überlegung an, inwieweit die Dorfgemeinschaft einen aktiven Beitrag leisten könne - zum Beispiel durch zweimal im Jahr geplante Pflege- und Aufräumaktionen oder durch Stiftung von Blumen und Gehölzpflanzen. Das könne auch zu Kosteneinsparungen führen. Die Demonstranten erwarteten von Verwaltung und Stadtrat, auf die Wünsche der Bevölkerung einzugehen und "eine Lösung anzustreben, die den Interessen der Ortsteilbewohner entspricht. Dies wäre ein Beitrag zur gelebten Demokratie".

Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind versprach den betroffenen Bürger , prüfen zu lassen, ob privatrechtliche Stiftungen Friedhöfe betreiben dürfen und inwieweit es doch möglich ist, eventuell auch weiterhin Erdbestattungen zuzulassen. Für Pannen in der Kommunikation im Vorfeld der Entscheidung entschuldigte sich der OB. Er gab aber zu bedenken, dass die Friedhofsteilschließung nur "ein kleiner Schritt ist auf einem steinigen Weg, den wir gehen müssen". Viele harte Einsparungen würden folgen. Insgesamt habe sich in den vergangenen Jahren das Bestattungswesen verändert. Immer mehr zögen Urnenbeisetzungen vor, auch dem müsse man Rechnung tragen.

Der Haushaltssanierungsplan, der die Teilschließung der vier Friedhöfe beinhaltet, fand schließlich eine klare Mehrheit im Rat: 27 stimmten mit einem Ja, zehn waren dagegen, vier enthielten sich.

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